Stadt: Der Steinhagenbezirk

Der Steinhagenbezirk

Das ehemals vor dem südlichen Stadttor liegende Gut "dye Steynhagen" wurde für dieses Stadttor und für den gesamten in unmittelbarer Nähe liegenden Stadtbereich namensgebend.

Die vom Tor zum Kirchplatz führende Straße wurde im 16. Jahrhundert "amm Steynhagen" und seit 1709 als "Steinhagenstrasse" bezeichnet. Der zum Teil sehr dicht besiedelte Steinhagenbezirk ist durch umliegende Güter, wie den nördlichen Wedemenhof und das westliche Bruchgut, von den anderen Siedlungsbezirken getrennt und zeigt eine andere bauliche Struktur als die übrigen Bereiche der Stadt. Durch die hier errichteten beiden Stadthäuser der von Clyff und mehrere kirchliche Gebäude kann dieser Bezirk als kirchlich/herrschaftlich bezeichnet werden.

Zur Siedlungsgeschichte:

Der größte Teil der Grundstücke und Gebäude gehört in den Besitz des Hauses Clyff, einige sind auch in städtischem Besitz. Aus dem 15. Jahrhundert ist aus diesem Stadtgebiet wenig überliefert. Vor dem Steinhagentor befand sich der Hof "die Steynhagen", der direkt vor dem Tor lag. Im 15. Jahrhundert wird noch das "gudeken to dem groten Abelen" genannt. Wie spätere Quellen zeigen, haben darüber hinaus einige teils kleinere, teils auch größere Höfe und Güter in diesem Bezirk bestanden (z.B. Op dem Oever); Haus und Gut thoe des Suerenhuyß.

Durch die Naelmansche Chronik ist dieser Stadtbezirk besonders gut für die Zeit von 1525 - 1551 dokumentiert. Naelman grenzt diesen Bezirk in etwa wie folgt ein: Westlich wird er durch Flachsmarkt und Bruchtor, nördlich durch den Kirchplatz, südlich und südöstlich durch die Stadtbefestigung bis hin zum Holschentor begrenzt.

Die systematische Aufnahme Naelmans erlaubt, die Hausangaben schon einigermaßen genau, wenn auch nicht auf Parzellen, zu lokalisieren. Er beginnt mit seinen Aufzeichnungen hinter dem Chor der Georgskirche im Kirch-/Emschestraßenbereich, geht bis zum Wedemehof, ' zum Hoelschentor und Emschestraße und dann entlang dem Steinhagen, wobei zurückliegende Häuser mit eingeflochten werden. Es folgen die außerhalb der Stadt vor dem Steinhagentor liegenden Güter und hiernach die Besiedlung in der Nähe des Bruchtores.

Hinter dem Chor der Kirche, im Bereich Kirch-/Emsche-/Talstraße, stand das alte und neue Clyffer Stadthaus. In den Zeiten, als Hattingen "noch ein dorff war", soll hier der Bruder des Herrn von Hattingen gewohnt haben. In unmittelbarer Nähe lag das Haus der Dominikaner, "Haus der grauen Mönche" genannt, und nicht, wie von Freisewinkel angenommen, am Haldenplatz (Freisewinkel 1971, S. 11). Es geht auf eine Schenkung von 1411 des Grafen Adolf von der Mark zurück.

Auf der östlichen Seite des Steinhagens erstreckt sich der St. Catharinen Hof, der bis zu Johan Krueses Haus und Hof "up der Emscher" reicht. Links und rechts wird er durch das Keelhagener Haus mit Hof und durch Jörgen Rydders Haus und Hof begrenzt. Der St. Catharinen Hof ist nicht das einzige Vikariengebäude in diesem Stadtbezirk. Es konnten neben der St. Anthonius Vikarie am Graben noch weitere 4 Vikarien ermittelt werden. Diese kirchlichen Gebäude, die dieses Gebiet besonders mitprägten, müssen teilweise, wie aus den Schenkungsurkunden zu entnehmen ist, schon im 15. Jahrhundert vorhanden gewesen sein.

Zu Naelmans Zeiten war dieses Gebiet bereits sehr dicht besiedelt. Etwa 60 Häuser gehörten allein in den Besitz des Hauses Clyff. Allein am Steinhagen sind bis 1550 mind. 12 Häuser festzustellen. Ein Vergleich mit der heutigen Bebauung (20 Hausgrundstücke) zeigt, dass der Steinhagen schon recht eng bebaut war. Westlich des Steinhagentores lag ehemals der Hof "ufm Over", der den von Heiden gehörte. Bereits zu Naelmans Zeiten war ein Teil dieses Hofes bebaut und denen von Clyff überlassen. Der Hof selbst, "op dem Oever van oeldes geheyten", bestand aber weiterhin. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden hier weitere Häuser.

Anno 1539 errichteten sich Arndt Jacobs und seine Frau Druede am Steinhagen neben ihrem alten Haus ein neues Gebäude. Auch in anderen Bereichen dieses Bezirks kam es zu lebhafter Bautätigkeit. 1550 entstand hinter dem bestehenden alten Haus das neue Vroemyssenhaus und, bereits einige Zeit früher das neue Clyffer Haus. Alle 3 Häuser waren der Familie Naelman zur Pacht gegeben worden, wobei Conradus Naelman, der Ersteller der Chronik, das alte Vroemyssen Haus empfangen hatte. Das alte Clyffer Haus wurde an Henrick Geller gegeben. Hier ist vielleicht interessant, dass für das neue Haus jährlich 3 und für das alte jährlich 2 rader Gulden gezahlt werden mussten. Aber nicht nur herrschaftliche Gebäude, wie das Clyffer Haus, und kirchliche Gebäude liegen in diesem Bezirk, sondern auch, vielleicht jedoch vereinzelt, Unterkünfte einfacher Bürger, wie eine Eintragung ins Lagerbuch von 1575 zeigt. So lag neben der St. Anthonius Vikarie eine baufällige Stallung, die sich die Eheleute Johann und Annen Slotmeckers zu einer Wohnung hergerichtet hatten. Sie hatten eine Schmiede angezimmert, ein Gärtchen bestellt und Einzäunungen errichtet. Ein späterer Zusatz bezeichnet das "Huisken, Smitte und gertgenn, butenn einige Innsperungen" als am Steinhagen gelegen. Hinter dem Wedemehof waren kleine sogenannte "hoeffken" errichtet worden. Das eine Anwesen gehört in Arndt Jacobs Besitz dem "Guede tho des Suerenhueß", ein weiteres, neben diesem Höfchen gelegenes, ist im Gewinn des Beckmanschen Hauses am Steinhagen, in dem zu der Zeit Arndt Hoelsche wohnte.

Weitere Angaben über Häuser der sogenannten "unteren Schicht" waren für dieses Gebiet nicht zu ermitteln.

Der Steinhagenbezirk: Stadthaus Cliff

Johan Naelman und seine Mutter Agatha hatten das neue Clyffer Haus und den Hof für jährlich 3 rader Gulden zur Pacht. Das alte Clyffer Haus wurde Henrick Geller übergeben, der jährlich 2 rader Gulden Pacht zu zahlen hatte, "unnd men moet ydt oem in dack halden" . Mercker schreibt dazu, dass früher einmal ein Bruder des Herrn von Hattingen in der Stadt wohnte, "als sie noch ein Dorff war"

Der Steinhagenbezirk: Vikarien

1.
St. Cathrynen hoeff Er ist gelegen zwischen dem Keelhagener Haus am Steinhagen und Jörgen Rydders Haus. In unmittelbarer Nähe liegt weiterhin Haus und Hof im "Offerhues", das "up der Emscher" genannt wird und Johan Kruese und seine Frau Anna zur Pacht bekommen haben.

2.
Vikarie St. Stephan und HI. Kreuz Altar Dompropst Bernart bestätigt 1515 dem Vikar des Altars St. Stephan und zum Hl. Kreuz, Arnold up der Wisch, "eyne stede, gelegenn an der wedemhaeve bie den Mersberge", damit es mit "huese unnd hoeve nu betymmert" wird.

3.
Vikarie St. Marion Magdalenen Das St. Marien Magdalenen Haus gehört in den Gewinn des von Ruetger Cock und seiner Tochter Anna gepachteten Hauses, Hofes und Scheune. Diese Vikarie wurde 1529 von Johann Coicks und seiner Ehefrau Anna sowie Arndt Scluck, Richter, und seiner Ehefrau Neise gestiftet.

4.
Vikarie St. Anthonius Diese Vikarie wird bereits seit 1449 erwähnt. Sie lag am Graben neben Elsen Mommens Haus und wurde von Jorgen Tiilmann bewohnt.

5.
Vroemyssen Haus Der Vroemyssen Altar wird seit 1482 erwähnt. Conradus Naelman, der Ersteller der Naelmanschen Chronik, hatte dieses Haus vom Hause Clyff gepachtet.

6.
Das neue Vroemyssen Haus Das neue Vroemyssen Haus wurde um 1550 erbaut und stand hinter dem alten Vroemyssen Haus und Hof "scheitende up die Broeck straete" und ist an Conradus und Griete Naelman zur Pacht gegeben.

Der Steinhagenbezirk: Haus der grauen Mönche

1411 schenkte Graf Adolf von der Mark den Dominikanern in Hattingen ein Haus, das spätere Haus der grauen Mönche. Dieses Haus der "grauwen Moenycks" lag neben dem Haus und Hof "aichter dem Koer", das Jörgen achter dem Koer und Griete, seine Hausfrau, zur Pacht hatten.

Der Steinhagenbezirk: Gut auf dem Kolcke

Laut Stadtrolle wurde Arndt op dem Kolcke und Bele, seine Hausfrau, mit dem "gude op dem Kolcke" behandet. Höchstwahrscheinlich wurde in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts Cort up dem Kolck mit diesem Gut, das zum Gewinn der Stadt Hattingen gehörte, belehnt. 1592 wurde es an Arndt huiser und seine Frau Anna, wohnhaft auf dem Kolcke, übergeben. Durch Erbfolge gelangt dieses Gut 1632 an Jörgen Haarman und Arndt Brinckman.

Im Jahre 1667 bittet Thonniß Brinckman um Behandung mit dem Gut zum Kolcke, da der vorherige Besitzer verstorben und Jörgen Harman seit mehreren Jahren in "fremden lande" verreist sei und sein Wiederkommen unsicher sei. Dieses Gut ist bis 1776 weiter zu verfolgen und wurde zuletzt Johann Heinrich und Johannes Hemmelmann übergeben.

Der Steinhagenbezirk: Gut zu dem großen Abelen

Gut zu dem großen Abelen, später Eichener Gutt genannt Am Steinhagen.

1456 wurden die Eheleute Hannes to dem groten Abelen und Hille, seine Hausfrau, mit dem "Gudeken to dem groten Abelen" belehnt. Aber auch dieses Gut, wie schon bei den Gütern am Markt, wird in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts beschädigt worden sein, denn es erscheint der Zusatz "dat dat vorß gudtken dei vorder betimmert und gebettert worde". Die genaue Lage wurde in diesem Brief noch nicht angegeben.

In der Stadtrolle wird dieses Gut als "grote abelen guet gnat tho de eyk" bezeichnet. Zu dieser Zeit wird es also schon in den Händen der von Eichen gelegen haben. 1592 wird das Haus und Gut zu dem großen Abelen an Griete zu den Eichen und ihren Ehemann Jürgen von Diefhausen übergeben, das nun Zu den Eichen genannt wird und am Steinhagen lag.

1666 gelangt es durch Erbfolge an Albert Dickebein und Rotger Neviandt d.J.

1709 werden der Kaufhändler Johan Georgh Dickebein einerseits und Rötger Neufiandt andererseits sowie Mechel Catharinen Dickebein, als Tochter des verstorbenen Herrn Georgh Friedrich Dickebein, der dieses Haus auf der Steinhagenstraße bewohnt hatte, zusammen mit dem Haus belehnt. Dieses Gut ist bis 1736 weiterzuverfolgen.

Der Steinhagenbezirk: Johan Slotmeckers Haus

Johann Slotmeckers Haus - Am Steinhagen -

1575 wird vor dem Rat der Stadt Hattingen die Angelegenheit der Eheleute Johann Slotmeckers und seiner Ehefrau Annen behandelt, die bisher für ihre baufällige Stallung, die sie als Wohnung ausgebaut hatten, keine Abgaben leisten mussten. Dies sollte geändert werden. Die Eheleute Slotmeckers hatten mittlerweile eine Schmiede angezimmert, ein Gärtchen angelegt und das Ganze eingezäunt. Die Stallung gehörte zur St. Antonius Vikarie und lag in unmittelbarer Nähe dieses Hauses. In Zukunft sollten sie jährlich 3 1/2 Taler zahlen. Die Eheleute übergaben aber der Stadt 20 Taler, die sie zu notdürftigem Nutzen anzulegen hatte. Hieraus erhielten die Eheleute Slotmeckers 1 Taler Pension.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch