Stadt: Der Marktbezirk

Der Marktbezirk

Eine alte Heer- und Handelsstraße durchzog ehemals den Hattinger Raum und führte in älterer Zeit bei Blankenstein und später bei Hattingen über die Ruhr. Dieser Tatsache und seiner Lage im westlichen Grenzgebiet der Grafschaft Mark mit Angrenzung an das Kurkölnische Territorium verdankt Hattingen seine Ausstattung mit Privilegien, besonders durch die Grafen von der Mark. Hattingen entwickelte sich zu einem Handelsplatz, der nicht nur im Regionalhandel eine Rolle spielte, sondern auch eine gewisse Fernhandelsfunktion zu erfüllen hatte.

Diese Handelstätigkeiten wurden wohl auf einem Markt abgewickelt. Auch in Hattingen wird in zeitgenössischen Quellen über einen solchen Markt innerhalb des Stadtgebietes berichtet. Dieser hat offensichtlich im Bereich des heutigen Unter- bzw. Obermarktes gelegen.

Der Hauptumschlagplatz für den Fernhandel wird der heutige Obermarkt gewesen sein. Hier lagen neben dem Weinhaus mehrere Bürgerhäuser und auch ein größeres Gut mit entsprechenden Nebengebäuden.

Die Bebauung des Untermarktes war im Gegensatz dazu sehr aufgelockert und bestand zum größten Teil aus Gütern. Dies spiegelt sich auch noch in dem Altersschichtenplan wieder. Am Untermarkt konnte kein Haus vor 1700 ermittelt werden, am Obermarkt hingegen mehrere.

Auch eine Eintragung des Pastors Mercker weist darauf hin, dass der Obermarkt allgemein als "der Markt" verstanden wurde. Im Urkataster von 1824 wurde die Bezeichnung "Markt" auf den heutigen Obermarkt gesetzt, der Untermarkt hat keine besondere Benennung.

Zur Siedlungsgeschichte:

Bis Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Marktbereich nur durch Güter geprägt, mit Ausnahme des Hauses von Hermann dem Becker vor dem Markt und Volbertz Haus vor dem Kirchhof. Auf die weitere Gestaltung wirkte sich besonders zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Vergabe von Privilegien an die Stadt aus (1406 Weinzapf, 1420 Fleischhalle, 1435 Wochen- und Jahrmarkt, 1478 Stadtwaage). Für diese Zwecke sind neue Gebäude errichtet worden, wie Weinhaus, Fleischhalle und Stadtwaage.

Zu dieser Zeit wurde die Stadt mehrfach bei kriegerischen Auseinandersetzungen verwüstet und 1424 von den Bergischen belagert und verbrannt. Nur die Kirche und 2 Häuser überstanden das Feuer.

Bei der Vergabe der am Markt gelegenen und erwähnten 5 Güter wird, so in den Gewinnbriefen, zwischen 1443 und 1456 darauf hingewiesen, dass der Platz neu bezimmert und die noch vorhandenen Gebäude ausgebessert werden mussten.

Das am Obermarkt liegende Weinhaus ist bereits 1416 erwähnt. Es stand an der Stelle der ehemaligen reformierten Kirche, von der heute nur noch der Turm erhalten ist. Zum Weinhaus, das zu Naelmans Zeiten von Heinrich van Engehusen bewirtschaftet wurde, gehörte noch ein Hof und eine Scheune. In näherer Umgebung befand sich das "Guede thum Werwech", das zu Naelmans Zeiten "Schriivers hueß" und im 17. Jahrhundert nach seinem Besitzer aus dem 16. Jahrhundert "Tilmans Gut" genannt wurde. Auch zu diesem Gut gehörten mehrere Gebäude, wobei wohl nur das Wohnhaus zum Markt hin gelegen hat. Dieses Gut war zur einen Hälfte dem Hause Cliff und zur anderen der Stadt Hattingen abgabepflichtig. Ab 1600 werden von diesem Gute mehrere Hausstellen verkauft, die teilweise hinter dem Hause am Markt legen. Dies waren im 16. Jahrhundert die einzigen nachweisbaren ländlichen Anwesen am Obermarkt; bei den anderen Häusern wird es sich um Bürgerhäuser gehandelt haben. Am Untermarkt sah die Bebauung anders aus. An der Stelle des späteren Rathauses stand die Fleischhalle. Seit ca. 1420 ist ihre Lage vor dem Kirchhofe belegt.

Die weitere Bebauung des Untermarktes besteht zum größten Teil aus Gütern. Bereits 1450 wird über das "Gude to dem Bartscher an dem Marckede" berichtet; 1601 nach der Erstellung des Rathauses bezeichnet eine Eintragung ins Lagerbuch die Lage dieses Gutes noch genauer "Gutte zum Bartscher, gelegen an dem Marckede beneben dem Rhathauß". Hier wird eindeutig der als Markt bezeichnete Platz als der heutige Untermarkt gekennzeichnet.

Neben dem Gut zum Bartscherer wird um 1450 das "Gudeken geheiten to dem Copmanne", später "Broickers Gut " und das "Gude tho dem Hillebrande" genannt, deren Lage am Markt bezeichnet ist. Daneben lagen noch einige "wüste" Grundstücke, so z.B. die beiden Plätze "op dem Plasse" und "tho dem Summelberghe", die 1524 von Katharina van Lyndenhorst, Witwe des Grafen Johan Stecke an die Stadt Hattingen verkauft werden. Diese beiden Plätze wurden vor 1592 bebaut, wobei auf einem Platz ein Gut entstand.

Diese Güter bestanden zum größten Teil noch bis 1700. Das Gut zum Bartscherer kann noch bis 1775 und das zum Copmann bis 1725 verfolgt werden. Der Untermarkt war also im 16. Jahrhundert mit einer sehr lockeren Bebauung umgeben, die durch die Güter geprägt war.

Seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts verlagerten sich die Aktivitäten innerhalb der Stadt zum Untermarkt hin. 1567 versammeln sich Bürgermeister und Rat der Stadt Hattingen über der alten Fleischhalle, über den Tagungsort vor 1567 geben die Quellen keine Auskunft. Es ist möglich, dass die Ratsversammlungen im Weinhaus stattgefunden haben, denn das Weinhaus und auch "Stamms steinern" Haus waren wohl die einzigen Gebäude innerhalb der Stadt mit einem größeren Raum, der sich für Versammlungen eignete. Im 30 jährigen Krieg war des öfteren die Stadt von Söldnern belagert und die Kirche besetzt worden, so dass die Gottesdienste "auff dem Weinbaus" abgehalten werden mussten.

1576 wurde die alte Fleischhalle durch das neue Rathaus ersetzt. Beim Bau des Rathauses im November 1576 kam es zu einem Zwist zwischen dem Rat der Stadt Hattingen und unmittelbaren Anwohnern, dem Herrn Reinhardt zum Laeck und Fiene Stuitkens. Herr zum Laeck sah beim Aufrichten des "getimmers", dass der "druppenfalle" ihm zum Nachteil gereiche und Schaden an seiner "Behusung vur den hallen" anrichten könne.

Man behandelte diese Angelegenheit vor dem Rat und einigte sich dahingehend, dass das Regenwasser vom Dach aus in eine "götte" geleitet werde, ehe es das nahe liegende Haus vor den Hallen erreiche und somit keinen Schaden verursachen könne.

Dieser Streit hat aber wohl die Fertigstellung des Rathauses hinausgezögert, denn inschriftlich und auch urkundlich ist bewiesen, dass mit dem Bau 1576 begonnen wurde, aber eine dendrochronologische Untersuchung einer Holzprobe aus dem Dachgerüst des Gebäudes ergab als Fällungsjahr 1579.

Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die neue Stadtwaage zwischen Hillebrand Koetgen und Jahnn Plaßmann errichtet. Bereits 1471 erhielt die Stadt das Recht zur Errichtung einer Stadtwaaqe, um mit den dadurch entstehenden Einnahmen die Stadtbefestigung zu verbessern. An welcher Stelle diese erste Waage errichtet wurde, Ist nicht überliefert.

Der Marktbezirk: Albertz Haus

Albertz Haus von alters geheißen zum "Swartenhuiß"

1593 wurden die Geschwister Johan und Annen Kramers ein jeder mit einer Hand mit dem Albertz Haus am Markt, von alters geheißen "zu schwartzenhauß", behandet. In der Stadtrolle wird zwischen "albertz huys an dem marckede" und dem "Schwartten guede" unterschieden. Mit dem Schwarzen Gut war "Drers die Schwartte und syn huisfrouwe Tele" behandet, wobei aber der Zusatz 'am Markt' fehlt.

Nachdem die Eheleute Dieterichen und Annen Kramers und auch ihre beiden Kinder 1648 verstarben, bemühte sich Dieterichen Querfeldt um Behandigung mit dem Hause, aber mit der Bitte, bei diesen schlechten Zeiten ihm das Behandungsgeld in Höhe von 8 Goldgulden und zwei Ferdel Wein zu erlassen. Die Stadt ging hierauf nicht ein, gab ihm aber Bedenkzeit, worauf im Oktober 1648 dann doch eine Behandigung stattfand .

1706 wurde Martin Überfeldt, Neffe des Dieterich Überfeldt und seine Frau Helene Maria Sirrenberg mit dem Albertzhaus behandet.

1775 erscheint die Witwe des verstorbenen Bergamtskontrolleurs und Schichtmeisters Hollmann, Catharina Elisabeth Überfeldt vor dem Rat der Stadt und bittet, nachdem ihre Mutter verstorben sei, um Behandigung mit dem Albertzhaus am Markt. Da sie jedoch Witwe sei und 7 unmündige Kinder zu ernähren habe und "für deren Unterhaltung und Erziehung fast keinen Rath wüste", möchte man mit ihr ein Einsehen haben und ihre beiden ältesten Kinder Christoph Friederich Hollmann und Maria Louisa Henrietta mit dem Haus behandigen und ihr für die Bezahlung der Gebühr eine Frist einräumen. Nach Prüfung dieser "wahrhaften Umstände" wurde ausnahmsweise und ohne "Reflexion" auf künftige Behandungen für die Gebühr eine Zahlungsfrist eingeräumt und als jährliches Gewinngeld nur 6 Reichstaler gefordert.

Der Marktbezirk: Gut zum Bartscherer

Wenn man den Überlegungen Darpes folgt (Darpe, 1909, S. 37) so lag das Stammhaus der Familie Kielmann an der heutigen Keilstraße, südlich des Untermarktes. Der Familie Kielmann, auch Keilmann genannt, war bis ins 18. Jahrhundert das Gut zum Bartscherer, das am Markt neben dem Rathaus lag, nebst einem Garten, im Broichfeld gelegen, übertragen worden.

Bereits 1450 wird von Hinrich Hasenkamp sein Teil, den er von Fredericke van Bure, genannt Schillinck, geerbt hatte, an die Eheleute Johan von Elvervelde, geheißen die Krumtunger, erblich vergeben. Der andere Teil unterstand Diderick Backems.

Durch Kriegseinwirkungen waren wohl einige Gebäude des Gutes beschädigt, denn es mußte "gebettert" werden. Seit 1601 sind die Kielmans, bzw. Keilmans mit dem Gut zum Bartscherer belehnt worden, das auch Bitters Haus genannt wurde.

Die Familie Kielman, wohl Kaufleute spielten in Hattingen keine unbedeutende Rolle. Zwischen 1601 und 1638 wurde der Bürgermeister fast ausschließlich aus ihrer Familie gestellt. 1638 wird Georg Kielman Richter im Amt Blankenstein. Heinrich Kielman (1586 - 1659), Sohn von Bürgermeister Arnold Kielman und Anna von Elverfeldt, studierte in Wien und wurde 1628 mit dem Adelsprädikat von Kielmans Eck ausgezeichnet.

1709 wird nach Ableben der Eheleute Kielman das Gut neu vergeben an Elisabeth Gerdrudt Westhoff und Herman Johannen Winkelhaus. Bis 1726 sind Eintragungen im Lagerbuch zu verfolgen.

Der Marktbezirk: Goßens Haus

Goßens Haus, Am Markt

1359 bewohnte "Herman dey Bekker" "ein hus vor dem Markede" bei der Kirche, das im Besitz von Heinrich van Hatnegghe war und in dem ehemals eine adlige Familie wohnte.

1601 wird es an Thonniß Goßens übertragen, der es als Nachkomme seines Vaters Heinrich Goßens, der von 1575 an mit Unterbrechungen bis 1597 Bürgermeister war, übernimmt. Zu dieser Zeit wird auch das Goßens Haus mit seiner Lage am Markt bezeichnet. Später wird es auch "Meinertzhagen hauß" genannt.

1623 ist es noch von Gosen, später von Georg Nunnenberg und seiner Tochter Maria Elisabeth bewohnt. Nach dem Tode Georg Nunnenbergs wurde es seiner Tochter Catharina Gertruth als zweite Hand neben seiner Tochter Maria Elisabeth gegeben. In späterer Zeit kam es in die Hände von Ridderhaus, und um 1900 soll es von Iking-Hausberg bewohnt worden sein.

Der Marktbezirk: Haus up dem Berge

1535 wird vom Hause Clyff der Tryne Froelynges und ihrer Tochter Gertken das Haus "ann dem marckte, up dem Berge" übergeben.

Christine von Brüggeney, genannt Hasenkamp, Witwe Schellen und Frau auf dem Bergh, erteilt 1610 Georg Steinhoff, Bürger zu Hattingen und Lehnsmann des Kellergutes, die Vollmacht, alle Renten, Zinsen und Pachte für das Haus auf dem Berge einzuziehen. Ob dieses Haus, das wohl zu einem Gut gehörte, mit dem in der Naelmanschen Chronik genannten Haus identisch ist, kann nicht genau nachgewiesen werden, wird aber angenommen.

Pastor Mercker stellte bereits um 1627 Überlegungen zur Lage des Gutes "up dem Berge" an. Alten Urkunden von 1479 entnahm er, dass Ritger van Witten aus dem Gut, genannt "uppen Berghe" im Gerichte Witten gelegen, gegen eine Rente 3 Rinsche Goldgulden an Herman van Dungein verkauft hat. "Ob nun solches ist der Wenmars Bergh, im holte gelegten, dar ein Haus gewesen, wie die vestigia noch weisen, oder da(z) hauß zum Berghe, da jetz der Gerichtsherr wohnet, solchs steht zu indageren".

Der Marktbezirk: Guedeken to dem Copmanne

Gudeken to dem Copmanne später Boickers hauß und Grodhausmans Haus genannt

1453 belehnen Heinrich Hasenkamp und Diderich van Bäckern die Eheleute Johan und Beerdt Kremer vor dem Marcke mit dem "gudeken heiten to dem copmanne", auf dem sie zu der Zeit auch wohnten "vnd dat vmb des willen dat dat ein enge vnde ein vnbetimmert gudeken is, dat dat bei bett getimmert vde gebettert werde".

1550 werden die Eheleute Corde to dem Boicker und Neise mit der Hälfte des "gudes vnd der Houestatt an dem Marckede" behandet. 1613 gelangt es an Johan Gortehauißman, genannt Boicker am Marckede und seine Ehefrau Anna.

Bis 1725 bleibt es in dem Besitz der Familie und wird nun Grodhausmans Haus genannt.

Der Marktbezirk: Gut Werwech

Gut zum Werwech später auch Schrivers Haus und Gut und Tilmanns Gut genannt

In der alten Stadtrolle werden "Rexe to des Schrivershuis un Hinrich oir sone " als Besitzer des "Werwege" genannt. Das halb der Stadt und halb dem Hause Clyff zukommende Gut wurde zu Naelmans Amtszeit an Johan Tilmanni und seine Ehefrau Liese zur Pacht gegeben. Zur Lage des Gutes fehlen hier genauere Angaben; Naelman rechnet es jedoch zum Weiler Bezirk. Aber 1556 verkaufen die Eheleute Johan und Lyse Tilmani an die Witwe des Jorien Schomeckers aus ihrem Hause am Markt eine jährliche Rente, wodurch gesagt wird, dass zumindest ein Teil des Anwesens am Markt lag.

Hinter dem Hause befand sich noch eine größere Freifläche, die aber nicht zu diesem Anwesen gehörte, denn 1600 verkaufen die Vormünder der Kinder des Anthoniß Gossens an die Eheleute Jürgen und Catharine Steinhoff einen Hausplatz hinter Tilmanis Haus, den Anthoniß Gossens (Lehnsmann des Kellergutes bis zu seinem Tode) von Bertram Spoir und Marie gekauft hatte.

1607 wird ein "Platz" von Tilmanns Gut verkauft und 1608 vom Bürgermeister und Rat bestätigt. Verkäufer sind die Vormünder der Kinder der Eheleute Arnoldt Selters und Catharina Keilmann, genannt Tilmannes. Käufer sind wieder die Lehensleute des Kellergutes, nun Georg Steinhoff und Catharine Goßens.

Die Eheleute Steinhoff bebauten das Grundstück mit einem Haus und schlossen 1609 einen neuen Vertrag über Grundstück mit Haus.

1615 verkauft Arnold Selters d.J. vom Tilmanns Gut ein weiteres Grundstück und eine Scheune, gelegen an Stenhoffs Scheune und am Weg nach Johan Wegmans Hause, und zwar von der Mauer Georg Steinhoffs Scheune bis zum dritten Hauspfosten der Witwe Bertram Fischer. Käufer sind die Eheleute Arnoldt Winckelhausen und Maria Stenhoff. Sie zahlen hierfür 350 Rtlr. Zwei Jahre später 1617 tritt Arnold Selter seine gesamten Rechte am Tilmanns Gut an die o.g. Eheleute Winckelhaus ab. Für seinen Anteil (ein weiterer Anteil gehört Conrad Kielman) erhält er ein neues Haus an Georg Kielmans d.Ä. Weg und "eine Summe Geld". Zum verkauften Gut gehörte Haus und Hof zwischen Bertram Spoirs, Witwe Fischer und Georg Steinhoffs Häusern, sowie eine Kirchenbank und eine Grabstätte.

1638 wird die Lage des von den Eheleuten Winkelhausen gekauften Anwesens in einer anderen, nicht das Haus betreffenden Angelegenheit nochmals mit seiner Lage am Markt bezeichnet.

1644 wird Johann Winckelhausen mit dem Tilmanns Gut behandet. Dieser Johann Winckelhaus erhob 1643 erfolglos Einspruch gegen die Belehnung seines Vetters Georg Steinhoff mit dem Kellergut, kaufte ihm aber 1660 seine Rechte an dem Lehen ab (siehe Kellergut) .

Bis 1744 lässt sich die Familie Winckelhaus auf dem Tilmanns Gut verfolgen. Letztmalig wird es 1793 an Friedrich Wilcken und Heinrich Wilhelm Wießmann vergeben.

Der Marktbezirk: Gut tho dem Hillebrandt

Gut tho dem Hillebrandt, auch Huysers Haus genannt

1456 belehnen Henrich Hasenkamp und Diethrich von Bachern die Eheleute Coenen von Bredenschede und Hillen mit dem Gut tho dem Hillebrande, "gelegen an dem Marckede tho Hattneggen", "dattet den vorder gebettert und getimmert worde". Auch dieses Gut war, wie alle schon genannten dieser Zeit, wohl ebenfalls beschädigt und musste ausgebessert werden.

Laut Stadtrolle (Abschrift S. 3) wurde Huysers Haus früher das "guet thom hilbrand" genannt. Eine Behandung der Eheleute Thoniß Huyßer und Annen mit der der Stadt Hattingen gehörenden Hälfte des "guytz undt Hovestadt an dem Markede binnen Hattneggen gelegen" findet 1550 statt. 1663 wird dieser Gewinnbrief für den Vormund der Enkelkinder abgeschrieben.

Der Marktbezirk: upten Plasse/Gut zum Summelberghe

upten Plasse/thoe den Summelberghe

1443 belehnt Fridrich van Buyr, genannt Schilling, Cracht Stecke mit den in Hattingen gelegenen wüsten Stätten upten Plas-se und thoe den Summelberghe, damit er diese Plätze "weder betynimert moigen". Ähnlich wie beim Gut zum Bartscherer werden auch hier durch die Kriegswirren des 15. Jahrhunderts die ehemals hierauf gestandenen Gebäude verwüstet worden sein. 1524 verkauft die Witwe des Grafen Johan Stecke, Katharina van Lydenhorst an die Stadt Hattingen die benannten "steden", die jedoch noch nicht wieder bebaut sind. Da die 2.Hälfte des 15. Jahrhunderts für Hattingen fast ohne kriegerische Auseinandersetzungen und Stadtbrand verlief, kann angenommen werden, dass bis 1524 keine neuen Gebäude auf diesen Grundstücken errichtet wurden. Eine Neubebauung muss aber bis 1592 stattgefunden haben, denn ab dieser Zeit folgen Eintragungen ins Lagerbuch der Stadt.

upten Plasse

Zu Conradus Naelmans Amtszeit war der 1524 verkaufte Platz bereits bebaut, denn das Haus Clyff gab Herman upten Plasse ein Stück Land und einen Garten, gelegen vor der Bruchpforte in Pachtung. 1592 wird Heinrich Platzman und sein Sohn Herman mit seiner "behausungh auf dem platze" behandet. 1613 gelangt es an Johan Vitz; 1658 wird erstmals das Grundstück als am Markt gelegen genannt. Es bleibt seit dieser Zeit, bis es 1787 an die Eheleute Johannes Ibing weitergegeben wird, in Händen der Familie Duncker. Der Name dieses Grundstückes "upten Plasse" blieb nicht nur hierfür bestehen, sondern ging auch auf den Besitzer über (Platzmann) und bestand auch späterhin noch für das Haus selbst (Plaßer Haus).

Gut zum Summelberghe später auch Koitgens Haus genannt.

1592 wird Hilbrand Koitgens und seine zukünftige Ehefrau mit dem Gut zum Summelberghe belehnt. Das Grundstück, auf dem das Gut zum Summelberghe entstand, wird wohl in seinen Ausdehnungen größer gewesen sein, als das nur mit einem Haus bebaute upten Plasse. Auch zahlte Koitgen 12 Goldgulden Gewinngeld, wogegen Platzman zur gleichen Zeit nur 10 Goldgulden abführen mußte. Nachdem die Eheleute Koitgen 1663 starben und keine Erben hinterließen, wurde das "Koitgens hauß von alters das gutt Zum Summelberg geheißen" an Herrn Friedrich Wenmar Freiherr von Heiden Zum Bruch, Rhade und Bocke und seiner künftigen Gemahlin übergeben. Ebenfalls wie bei Platzman erscheint hier erst bei der Eintragung von 1663 der Zusatz "gelegen am Markte". 1726 werden die beiden Söhne des Stadtrentmeisters Johann Heinrich Elberß, nach dem Tode des Generals Freiherr von Heiden, mit dem Gut behandet.

Der Marktbezirk: Rehes Gut

Ein Haus von besonderem Rang innerhalb der Stadt stellt das Reeßhaus dar. Einer Urkunde von 1350 zufolge wurde das damalige Volbertzhaus (später Reeheshaus) (Darpe, 1909, S. 26), das vor dem Kirchhofe lag, mit besonderen Vorrechten durch den Grafen Engelbert von der Mark ausgestattet.

Er gab diesem Haus "vollkommene Freiheit, dass in diesem Hause und Hof niemand belastet, noch seine Güter mit irgendwelcher Abgabe belastet werden dürfen. Auch befehlen wir, dass kein zeitlicher Frone in dieses Haus gehe, jemanden zu belästigen, es sei denn, dass Gewalt darin geschehe".

Einem Behandigungsbrief von 1565 zufolge übertrug Johann von der Recke, Droste zu Blankenstein und Werden das Haus und Gut mit neuem und alten Zubehör und "schlaternutt" an den Bürgermeister Johan Spoir und seine Tochter Margarete, dessen Vater Bertram Spoir bereits zu Lebzeiten mit diesem Besitz belehnt worden war.

1616 kauft die Stadt Hattingen das "Rehesgutt", dessen Lage "hinder Cort Boßbomes hauß bei dem Rhatthauß" genauer bezeichnet wird, von den Gebrüdern Johann und Herman Vetteren, genannt Spoir, die erst 1612 zu einer Hand behandigt wurden, und Marien Vetterens Tochter Eißgen, die durch ihre Vormünder vertreten wird.

Grund dieses Verkaufs waren wohl die ererbten elterlichen Schulden gegenüber der Stadt Hattingen. Vereinbart wurde ein Verkaufspreis von 525 Reichstalern, jeden mit 41/2 Kopstuck. Zum verkauften Haus gehört alles "was erdt undt nagelfest ist, allein ein eisen Stuben offen außgenhommen". 1621 wird dieser Verkauf durch den Richter Johan Wilstaich bestätigt.

Der Marktbezirk: Reinckes Haus

In der Stadtrolle wird das "Reynkens guet" als das "nu gnat des jong koepmans guet" bezeichnet. Bei Naelman wurde die genaue Lage des "Reynken" Hauses angegeben, und zwar lag es zwischen Jörgen Vysschers und Ruetger Kykartz Häusern im Weilerbezirk. Behandet wurden Henrik Rynken und seine Ehefrau Griete mit diesem Hause. 1592 übernimmt es Rutger zur Kuhweidt und in seinem Gewinnbrief wird es "hause und hoffestatt von alters geheißen Reinckenshaus an dem Merckede alhei gelegen, jetzo genant das Schwartzehorn" bezeichnet.

Seit 1650 wird das Haus am Markt auch als "Wohnhaus" genannt. Durch Erbfolge gelangt es 1704 an die Familie Vahrentrup und wird 1776 an die Familie Ritterhaus gegeben.

Der Marktbezirk: Slotmechers Haus

Schlotmechers Haus am Markt

Auch "sloetmechers" Haus wird bereits in der Stadtrolle erwähnt. Ab 1592 erfolgen kontinuierliche Eintragungen ins Lagerbuch bis 1729. 1592 hat Jürgen Stam für sich und seine Ehefrau Ludtgardt, nachdem die Eheleute Jürgen und Anna Schlotmecher verstorben waren, die "Schlotmechers behausung am Markt" erworben.

1620 ging es in die Hände von Thonies aufm Brincke und seiner Ehefrau Niesen vom Bargenbergh über. Hier wird auch genau bezeichnet, dass das Haus zwischen Kielmans und Diepenbrocks Häusern gelegen ist. Die Vergabe 1673 an Johan Bertram Hersiepen und Johan Albert Striebeck und nicht wie sonst üblich an ein Ehepaar, hatte zur Folge, dass in späteren Jahren durch Erbfolge der Besitz auf zwei Familien überging. Hierin wird wohl die Ursache für eine Trennung des Hauses um 1729 liegen.

Vor 1725 ist es zu einer Erweiterung des Hauses gekommen, denn im Gewinnbrief wird es "mit seinem Zubehör und Angesetzten" vergeben.

Der Marktbezirk: Haus der Stadtwaage

Zur Verbesserung der Einnahmen für die Stadtbefestigung gestattet 1478 der Herzog von Cleve und Graf von der Mark der Stadt Hattingen, eine große Waage aufzustellen. Die jährliche Pacht für die Waage wurde von dem Hause Clyff eingezogen. Es mussten 2 Gulden current Pacht gezahlt werden.

Über den Standort dieser Waage ist nichts überliefert. Anfang des 17. Jahrhunderts entstand zwischen Koitgen und Plassman am Markt ein neues Waagenhaus, das 1616 an Eheleute Mertin Zun Eich und Gerdruit mit Erb- und Eigentumsrechten verkauft wird.

1622 wird dieses Haus nochmals vom Pastor Mercker erwähnt. Er beschreibt, wie der Bürgermeister von Lüdenscheid vom Hause Mertin von den Eichen am Markt in feierlichem Aufzug von Rat, Kramergilde und Nachbarn bis an die Steinhagenpforte begleitet wurde.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch