Stadt: Der Heggerbezirk

"Die Heggerpfortte hat den namen vom Heggegude, negst an dieser pforten gelegen, und ist zu wißen, das das Heggergutt olim ist gewesen jetz Hegeman, Clotzes hausz Pfankuchen scheune und Cordt Pfankuchen heuser stehen, dan Johan Closz von Buirich vnd Ida van Engenhuisz eheleutte, ir hausz vfr Hegg(en) von Johan Reinckens vf Hegg(en) gekauft a(nn)o 1481" (von Märker).

Das Stadttor hat auch hier seinen Namen, wie alle anderen mit Ausnahme des Holschentores, von einem davor liegenden Gut bekommen. Wie die o.g. Aussage Merckers zeigt, war zu seiner Zeit das Heggergut bereits, wie andere Güter der Stadt auch, aufgesiedelt. Änlich wie beim Steinhagen- und Weilerbezirk wird auch die bei Naelman genannte "Heggergeschicht" nach dem in diesem Bezirk liegenden Stadttor genannt.

Zur Siedlungsgeschichte

Der bei Naelman genannte Heggerbezirk erstreckt sich vom Untermarkt bis zum Heggertor, östlich schließt sich das Kellergut und die Wedeme an. Bebaut war in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts wohl nur die Heggerstraße bis zum Heggertor, deren Besitzer von Roppert Molderpaß bis Henrick Hueser chronologisch bei Naelman erfasst wurden. Alle weiteren Genannten hatten außerhalb der Altstadt Ländereien vor dem Heggertor und wohnten wohl in einem Bezirk mit anderen Grundherren.

Am Horst standen noch einige Gebäude, die in den Besitz der Familie up der Wisch gehörten. Erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts kam es zu einer lebhaften Bautätigkeit auf dem Kellergut. Die Hausparzellen wurden durch das Anlegen eines Straßenzuges quer durch das Kellergut erschlossen und ermöglichten so eine Bebauung. Der neben dem Kellergut liegende Wedemenbesitz ist bis zur heutigen Zeit noch sehr schwach besiedelt. Das Heggertor mit seinem nach Blankenstein führenden Weg war wohl für die Stadtentwicklung kein so dominierendes Element wie das Steinhagentor und das Weilertor, obwohl die Heggerstraße direkt zum Untermarkt führt. Erst durch Aufsiedlung des Kellergutes entwickelte sich hier ein Stadtbezirk mit einem eigenen Profil.

Zwischen Holschen- und Heggertor: Wedeme

Im östlichen Stadtgebiet zwischen Holschen- und Heggertor erstreckte sich die Wedeme, das kirchliche Pfarrgut. Begrenzt wurde es westlich durch die Mersberge und das Kellergut, nördlich durch den Horst, östl. durch den Graben und südl. durch die Emschestraße mit der angrenzenden Bebauung des Steinhagenbezirks im Bereich des Hoelschentores.

In der Merckerschen Chronik wird vermerkt, dass die alte Lage des Wedemehauses, das noch zu Zeiten des Pastor Kramer (1675) erhalten war, bereits unklar ist. Auf den Grundstücken des späteren Pfarrhofes lag wohl das alte ' Kellermansche Haus (s. Kellergut).

Zum Wedemehof gehörte das 1474 erbaute Gasthaus, das bereits 1403 mit Genehmigung des Abtes von Deutz für dieses Grundstück vorgesehen wurde und mit finanzieller Unterstützung von Ludgardt von Limborgh, Witwe des Cracht Stecke, erbaut werden konnte. Ob das Armenhaus, von Heinrich Knipping zum Grimbergh und seiner Frau Sibilla von Neßroth "in dem Bleck vf der Emschen" für 8 notdürftige Personen 1560 erbaut, auch auf dem Gelände des Wedemehofes lag, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wäre aber möglich.

Während des 30jährigen Krieges wurde der Wedemehof stark in Mitleidenschaft gezogen. Die 1628 im Wedemehaus einquartiertet Tillischen Soldaten zerstörten Zäune und Glasfenster. Jedoch war nach Abzug der kaiserlichen Wallensteinischen Garnisonen die Wedem "gleich einer cloack, ja wüst vnd öde gemacht". Gleiches geschah mit der St. Stephani Vikarie.

Erst nach der Crassensteinschen Belagerung begann Pastor Johan Bertram Merker 1636 das "ruinierte Widemhauß mit vngesparter mühe" wieder herzustellen. 1676 wurde eine neue Scheune auf dem Hof errichtet.

Der Heggerbezirk: Merckersches Haus

Einem Handgewinnbrief von 1729 zufolge behandigt Hermann Winckelhaus (Lehnsmann des Kellergutes) die Brüder Johann Peter und Johann Christoffel Faest mit Behausung hinten am Ende der Horst gelegen zwischen Conradt Kuhweidens Hof und Pustes Haus, auf dessen Grundstück ehemals, die Ölmühle gestanden hatte. Vormals waren Johann Bertram Mercker und Conradt Heinrich Merker mit dem Haus behandet gewesen. Beide waren Söhhne des Chronisten Pastor Hermann Mercker. Johannes Bertram war seit 1637 ebenfalls Pastor in Hattingen.
In der Chronik wird das Merckersche Haus als zwischen Pusts und Hörster gelegen aufgeführt, wenn man von einer systematischen Aufnahme ausgeht. Einer Urkunde von 1602 zufolge werden die Eheleute Conradt Mercker und seine Ehefrau Annen, Eltern des Chronisten Hermann Mercker "mit einem Haus hinten auf der Horst zwischen dem Hof des verstorbenen Cordt Koweiden und Pusters Haus gelegen, wo vorher eine Ölmühle gewesen," durch Georg Steinhoff der zeitlicher Lehensmann des Kellergutes war, behandet. Mercker schreibt selbst in seiner Chronik: "... Huiser, Schulmeister 1498, filius Johannis consulis up der Hegge, diß huiß ist nu meines vatters huiß.

Der Heggerbezirk: Kellergut

Im nördlichen Stadtgebiet östlich der Bebauung Heggerstraße befand sich bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ein größeres Gut, das Kellergut. Seine Lage wird bei Mercker wie folgt beschrieben: "Der hoff ist gelegen lengst die wedeme binnen (Hatnegg(en) vnd hat gegang(en) biß vf die kirchenmaur. Vf welchem hoffe jetz ligt Johans im Kelderhauß..." (es folgt eine Aufzählung von ca.30 Häusern) "nemblich die gantze St. Johanns straße, die gantze Horst biß an Heggepfortte".

Das zu Merckers Zeiten bereits aufgesiedelte Gut wird von ihm in seiner ehemaligen Ausdehnung von nicht unbeträchtlicher Größe einigermaßen genau festgelegt. Seine Ausdehnung von der Kirchenmauer bis zum Heggertor ist erheblich und übersteigt die Ausdehnung des Bruchgutes im Südwesten der Stadt. Die zum Gut gehörenden Ländereien lagen außerhalb. 1488 verkauften Herman in dem Keller und Else, seine Hausfrau, "die Horst, die Marpe vnd alles, d(a)z to dem Keller gehört, binnen vnd buten Hatneggen an hauß, hof, garden, lande, wisch vnd haben sich allem dat huiß vnd hoff im Keller vorbehalten, also d(a)z sie hin furth das lehn mögen empfangen". Erwerber waren die Eheleute Johan up der Wisch und Hillen.

1519 übergibt Berthram van Luytzeroeidt, Herr Zum Hardenberg, das Kellermans Gut an den Abt von Deutz und dem Werdener Gotteshaus (Urk. III Nr. 119). Aus der Formulierung "mich dair zu bewegenn" und "wedderumb over gegeven" (Urk. III, Nr. 119) ist zu entnehmen, dass van Luytzeroeidt das Kellergut ehemals vom Abt von Deutz empfangen hat und nun wieder abtreten muss. Bei dem oben von Mercker zitierten Verkauf des Kellergutes wird es sich allerdings nur um die zum Kellergut gehörenden innerstädtischen Grundstücke von Horst und deren Rechte gehandelt haben, die von der Familie up der Wisch erworben wurden. Dies wird auch 1520 durch den Verkauf einer jährlichen Rente zum Nutzen der Armen an Pastor Wysman durch Johan Wysman und dessen Frau Reckze bestätigt (Urk. III, Nr. 120).

Noch klarer geht dies 1522 aus einem Verkauf einer jährlichen Kornrente an den Vikar des Altars St. Stephan hervor, die Johan Wyschman und Ehefrau Rexe "uth unsem gude, dey Horst ind Keller gueth geheyten" aufbringen (Urk. III, Nr. 124). Auf dem Horst befanden sich bereits 1538 mehrere Häuser im Eigentum der Familie Wyschman (Urk. 81), eine Scheune und ein Pütt mit entsprechendem "Pütweg" (Urk. 80). Zwei freie Flächen, gelegen bei der Scheune, wurden verpachtet (Ur. 80) . Zwischenzeitlich konnte die Familie Wißman ein neues Haus errichten, denn 1586 wird in einem Ehevertrag das alte Haus auf der Wiesen von der Braut Stingen Wißman in die Ehe mit Evert Mumm eingebracht (Urk. 119).

Seit 1538 ist Jorien Wyßman, Sohn der Eheleute Johan und Rexe Wyßman,als Lehnsmann des Kellergutes genannt (Urk. III, S. 161) 1590 wird Antonius Goeßens an Stelle seines verstorbenen Schwiegervaters und Bürgermeisters Jörgen Wißman zum Lehnsmann des Kellergutes vom Abt Nicolas in Deutz ernannt (Urk. Nr. 123). Nachdem im 16. Jahrhundert Johan und Jörgen uff der Wischen und Anthon Goessens mit dem Kellermans Gut belehnt wurden, ging es 1600 an Georg Steinhoff über. Die vom Gut abgesplissenen Teile, die noch Johan Kellerhaus in Gebrauch hatte, sollten zurückgewonnen werden (Urk. 131).

Die Angaben der Urkunden stimmen mit den Ausführungen Merckers überein, der über die Besitzverhältnisse folgendes vermerkt: "Von Wischmans leutten ists durch bestetnis körnen vf s(eligen) Thoniß Goßens, durch deßen tochter Chathrinen ists kommen vf Iren eheman Georgen Steinhoff". Georg Steinhoff, Lehnsmann des Kellergutes, behandet die Eheleute Conradt Mercker und Annen Wißman, Eltern des Chronisten Herman Mercker, 1602 "mit einem Hause hinten auf der Horst, zwischen dem Hofe des verstorbenen Cordt Koweiden und Pustes Haus gelegen, wo vorher eine Ölmühle gewesen ist". Ab ca. 1600 wurde das Kellergut aufgesiedelt und es entstanden fast 30 neue Häuser, die von Mercker wie folgt angegeben werden:

  • Johans im Kelderhauß hauß
  • Abel Dickmans
  • Cordt Nölden
  • Thoniß Vogelsangs
  • Niderste Kopmans
  • Oberste Koipmans
  • Jürgen Pfanckuchen
  • Engeln
  • Clotzes
  • Heggemans
  • Höster
  • meines, Merckers, meines vatters
  • Puste
  • Linenwebers
  • Everdts
  • Trapmans
  • Jürg(en) Doickscherers
  • Johan Trapmans
  • Kuipers
  • Cordt Pfanckuchen
  • Rotger Böinckhauß
  • Erwin Bembergs
  • Robberdt Büschel
  • Denen jetz Eichoffs
  • Cordt Dickebeins

Friederichs und Everdt Goltschmidts heußer: Im Heimatmuseum der Stadt Hattingen befindet sich ein Türsturz mit der Inschrift: BEHUT MICH, HER, VUR FEWR UND BRAND IN GOLDSCHMIDS HAUS BIN ICH GENANDT. 1605. Er gehörte zum Anbau des Hauses Emschestraße 48, der von der Johannisstraße zugängig war. Einer Urkunde von 1607 zufolge wurde Evert Goldschmidt von Jürgen Steinhoff, Lehnsmann des Kellergutes, mit dem Hause gegenüber dem Kellerhaus, neben dem Maßberg, behandet, mit dem schon ehemals sein verstorbener Vater Jürgen Schomecker genannt Goldschmidt behandet war und dem ein Gewinnbrief von Johan im Keller von 1471 zugrunde liegt.

1643 wird der minderjährige Georg Steinhoff, vertreten durch seinen Vormund Abel Dickman, entgegen dem Einspruch des Johan Winkelhaus, der selbst Anspruch auf die Belehnung erhebt, durch die Lehnskammer zu Deutz mit dem Kellermans Gut belehnt. 1660 kommt es dann doch dazu, dass Georg Steinhoff mit Genehmigung des Abtes von Deutz einen Vertrag mit seinem Vetter Johan Winkelhauß schließt, um ihm seine Rechte an dem Lehen abzutreten. Johan Winkelhauß bringt für diese Belehnung "125 Rtlr., 1 Rind, 1 Malter Roggen, 2 Malter Hafer, 1 Zentner Speck und Schincken, 1 Stück Tuch, 1 Dukaten und 1 Rtl. auf".

Diese scheinbar sehr hohe Abtretungssumme wird erklärlich, wenn man die Urkunde von 1703 hinzunimmt, die die zum Kellergut gehörenden Ländereien aufführt. So werden erwähnt:

  • Land an der Welper Becke, das Arnoldt Dickmans Tochter hat,
  • Land im Heggerfeld, halb Leverin und halb Goßen Vorhof,
  • Land an einen Baumken, Heinrich Goßens Kinder (heute: Im Einbäumchen)
  • Land im Brockfeld, Erben Winhartz (heute:Im Bruchfeld)
  • KloB Haus mit Zubehör
  • Horst und Johannesstraße
  • Cordt Cramer und Mechel Cathrin Langrotger behandet mit Kloß Haus, Land die hohe Fuhr,
    Apotheker Schumacher, Caspar Dierich Eibers und Witwe Wenmar Eibers
  • Der Nocken, Richter Märcker.

Noch 1769 wurde das Kellergut vom damaligen Abt Alemilian von Deutz als Lehen vergeben, und zwar an Michael Winkelhausen. Interessant ist vielleicht noch die Tatsache, dass ungenutzte Gebäude nicht einfach abgerissen, sondern auch zu anderer Nutzung umgebaut wurden. So z.B. eine Scheune auf der Horst, die die Eheleute Heinrich Braickman und Catharine 1661 zu einer Wohnung einrichteten.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch