Land: Zeitgeschichte von Stüter (18.10.1845)

Wer reizende Naturszenen schildern will, findet hier einen unfruchtbaren Boden. Die Natur hat für diese Gegend stiefmütterlich gesorgt. Hohe Berge und tiefe Schluchten sind bunt durcheinander gewürfelt, und nur an der Grenze von Elfringhausen ist eine zusammenhängende Gebirgsmauer aufgepflanzt. Man sieht zwar schöne Gegenden von den Bergspitzen, aber nur in der Ferne.

Die hohen Kuppen schauen trotzig genug auf das fruchtbare Elfringhausen herab, gleichsam als wollten sie sagen: Du bist doch nur der Schemel unserer Füße! Ob aber nicht auch Neid mit durchblickt? Ich will es nicht behaupten. Wer versteht ihre lautlose Sprache?

Stüter führt seinen, freilich geringen, Überfluß an Produkten meist nach Hattingen. Dort ist der Stapelplatz seiner Bedürfnisse, dort wird ihm geistlicher Segen gespendet, und von daher wirkt auch zunächst auf dasselbe der weltliche Arm.

Im Jahre 1727 zeigt die Gemeinde die erste Spur von Selbständigkeit, die sich in einem gemeinsamen Handeln offenbart. In diesem Jahr wurde der Bau des ersten Schulhauses in Angriff genommen. Ob unsere Vorfahren dabei rasch zu Werke gingen, oder ob sie, wie es in neuerer Zeit geschehen, den Plan 12 bis 15 Jahre besprochen und überlegten, darüber schweigt die Geschichte.

Der erste Lehrer war Peter von der Oehde, welcher jedoch nur kurze Zeit wirkte. Da zu seiner Zeit das Schulhaus noch nicht fertig war, so zog er als ein treuer Hirte mit seiner Herde von Haus zu Haus. Auch machte er mit seinen Schülern oft Reisen von 8 bis 14 Tagen in die umliegenden Ortschaften, wobei die Reise­kosten durch Singen erworben wurden. Sein Nachfolger war Joh. Peter Röttger von Heiligenhaus, der lange und segensreich wirkte. Ihm folgte I.H. Hegen­berg, der bis zum Jahre 1823 lebte; unter ihm war das Knutenregiment in voller Blüte.

Die Zeit der Fremdherrschaft war auch über Stüter hereingebrochen mit allen ihren Schrecken und Umwälzungen, und seine Bewohner mußten sich grollend fügen. Französische Häscher und Spione durchzogen das Land und wehe dem, der unter ihren Augen von der guten alten Zeit sprach. Aber die patriotische Jugend wollte den Fahnen der fremden Machthaber nicht folgen und irrte flüch­tig umher. Die Flüchtlinge führten in Verbindung mit Schmugglern einen kleinen Krieg auf eigene Faust. Aber als die deutschen Trommeln wirbelten, da eilten auch sie zur Verteidigung des Vaterlandes herbei und traten in die Reihe der Krieger.

Ein einziger, namens Peter Hahn kehrte nicht wieder aus diesem glorreichen Kampfe. Das Jahr 1818 brachte einige Bewegung in die von den großen Ereignissen wieder beruhigten Gemüter. Es wurde nämlich in diesem Jahr der Kirch­hof eingeweiht. Seit undenklichen Zeiten hatten die Einwohner von Stüter ihre Toten auf dem lutherischen Kirchhof zu Hattingen begraben. Als nun die Begräbnisplätze innerhalb der Städte, als der Gemeinheit schädlich, aufgehoben wurden, faßten mehrere Gemeindeglieder in Opposition den Beschluß, einen eigenen Kirchhof einzurichten, und sich in dieser Hinsicht unabhängig von Hattingen zu machen. Der eifrigste Beförderer dieses Planes war Joh. Caspar Medesworth. Nach vielen Kämpfen erreichte die Gemeinde ihre Absicht, und so wurde dann am 19ten Juni 1818 die Einweihung vollzogen, wobei Inspektor Schmieding von Witten die Rede hielt. Die Gemeinde hatte nun ein neues Band, welches ihre Glieder zusammenhielt. Die vermehrte Bevölkerung hatte aber schon lange den Mangel eines größeren Schulhauses fühlbar gemacht, und so wurde denn im Jahre 1823 der Plan aufgenommen, einen neuen Bau zu be­ginnen. Aber wie das neue immer viel Widerstand findet, so verzögerte sich auch hier der Bau bis zum Jahr 1838. Nun erhebt sich derselbe in stiller bescheidener Weise, und gereicht der Gemeinde zur Freude und zur Zierde. Über die ältere Geschichte von Stüter fehlen alle Daten. Es hat zwar keine berühmten Männer hervorgebracht, aber auch ebensowenig große Bösewichter.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch