Land: EN-Kreis historisch

Nachforschungen haben ergeben, dass unser Gebiet vom 5. bis zum 8. Jahrhundert n.C. leer an Bodenfunden, also unbesiedelt war. Es war aber wohl trotzdem Durchgangsland von Westen nach Osten, von Köln über Lennep, Beyenburg, Schwelm, Hagen nach Soest. Einfache Waldpfade führten vermutlich über die Wasserscheiden, die damals versumpften Täler waren zu unwegsam.

Im heutigen Westfalen saßen die Sachsen am Rhein, weiter westlich die Franken. Die landhungrigen Sachsen sandten ihre Stoßkeile aus strategischen oder politischen Gründen westwärts. Ihre Siedlungsanlagen beiderseits der damaligen "Kölner Straße" sind erkennbar an der Endung " -inghausen ". Etwa 30 der insgesamt 140 sächsischen Siedlungen liegen im heutigen EN-Kreis.

Beispiel Albringhausen = (Adalbrechtinchuson) - Häuser der Sippe des Adalbrecht usw.

Die heutige westliche Kreisgrenze sind die Zeugnisse für diese Auseinandersetzungen zwischen den beiden alten Stämmen. Diese Ereignisse gehören in das 7. bis 8. Jahrhundert, also noch vor dem Beginn der Sachsenkriege. Mit dieser Landnahme der Sachsen endet die frühmittelalterliche Siedlungsperiode.

Die älteste und wichtigste Grenze des EN-Kreises ist die westliche. Unter den Nachfolgern Karls des Großen zerfiel das Riesenreich im Vertrag von Verdun 843 und seinen Nachfolgern 869 und 870 in die drei Teile Westreich, Mittelreich und Ostreich. Zwischen den beiden letzteren verlief die Grenze zum großen Teil am unteren Rhein entlang, hatte jedoch zwischen Ruhr und Sieg eine rechtsrheinische Ausbuchtung mit unbestimmter Grenze, die den Ruhr-, Keldach-, Deutz- und Auelgau zum Mittelreich schlug.

Die Vermehrung der Bevölkerung verlangte erneut Raum. Es folgte die Zeit des inneren Ausbaus, wozu der Wald bereitstand. Vom 9. - 13. Jahrhundert verläuft die Rodezeit, ihr gehören die Namen auf -rod, -scheid und -hagen an. Für die erste Namengruppe ist das Tätigkeitswort roden beweiskräftig.

Horath = Hochgelegene Rodung
Radevormwald, Remlingrade = Rodung einer Sippe des Ramilo


Die Namen auf -scheid deuten auf scheiden, trennen, begrenzen hin. Sie finden sich an den Bauernschaftsgrenzen. Um z.B. Breckerfeld liegen fünf -scheid- Siedlungen. Im Nordteil des EN-Kreises liegt Bredenscheid. Auch Schee kommt letztlich von "scheid".

Die Rodungstätigkeiten machte die bisher gemiedenen, tiefer gelegenen und feuchten Geländeteile leichter siedlungsreif. Dies geschah als Abschluß des spätmittelalterlichen Ausbaus im 14. und 15. Jahrhundert. Hierher gehören die Namen auf -siepen. Das Zeitwort "siepen" bedeutet stark regnen, wobei man das Fallen der Tropfen beobachten kann. Beispiele sind Ackersiepen, im düsteren Siepen, Großen Siepen, Kressiepen ( von Kresse ? ), Kucksiepen ( zu queck, munter, vom zu Tal fließenden Bach ).

In dem nördlich von Schwelm und Gevelsberg gelegenen moorigen Gebiet liegen Siedlungen mit Namen auf -bruch ( brauk, sumpfig, moorig ). Hellmannsbruch ( Familienname ), Uhlenbruch ( Aufenthalt einer Eulenart ).

Es sind natürlich bäuerlich genutzte Siedlungen, aber da sich auch Eisenstein fand, entstand auch im EN-Kreis eine frühe Eisengewinnung. Hier war alles notwendige zusammen, Holz, Wasser, Eisenerz. Die Isenburg war eine der ersten Burgen, in der Eisenerz in sog. Rennfeueröfen verhüttet wurde.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch