Gerichtsplätze: Heyden zu Bruch vor dem Kammergericht (1573)

Als Dietrich von Heyden zu Bruch vor das Kammergericht geladen wurde
Die Familie von Heyden auf Haus Bruch stammte aus dem Münsterlande und kam im 15. Jahrhundert an die Ruhr, wo Wennemar von Heyden im Jahre 1454 die Witwe des Wennemar Dueker, Katharina von Vietinghoff genannt Schele, heiratete und damit Bruch gewann, das ihm, dem Burgmann zu Blankenstein, als märkisches Lehen übertragen wurde. Die Herren von Heyden gewannen, im Dienste des Grafen von der Mark, bald großen Einfluß im Lande an der Ruhr.

Auch Goddert, der Sohn Wennemars, und dessen Sohn Bernhard waren Dienstmannen zu Blankenstein. Durch geschickte Wirtschaftsführung und viel Glück gelangten sie zu Reichtum, so daß sie dem Landesherrn größere Geldsummen leihen konnten. Dafür wurden sie mit weiteren Ämtern belehnt, so Bernhard von Heyden im Jahre 1496 mit dem Drostenamt zu Lippe. Unter ihm stieg das Ansehen, das die Familie von Heydne nicht nur beim Landesherrn, sondern auch in der Ritterschaft der Grafschaft Mark und des Münsterlandes genoß, ganz beträchtlich.

Eine stattliche Kinderzahl - zeitgenössische Berichte nennen die Zahl 20 - ließ den Einfluß der Familie durch Heiraten und Zuweisung von Ämtern immer größer werden. Allerdings überlebten längst nicht alle Kinder den Vater Bernhard von Heyden und die Mutter Katharina von Lintetoe. Der künftige Erbe des Hauses Bruch, Goddart, wurde kurz nach seiner Hochzeit mit Else von Vietinghoff von dem Ritter Mallinckrodt im Münsterlande erstochen. Mehrere Söhne waren auch als Ordensherren tätig, so Adam als Komtur zu Brakel, Dietrich als Komtur des Deutschen Ordens von Westfalen und Arndt als Deutschritter in Livland, dessen Tod auch von dort gemeldet wird.

Als Bernhard von Heyden arn 9.10.1527 starb, lebten noch 7 Kinder. Von den beiden Töchtern hatte Elisabeth schon vor dem Tode des Vaters den Ritter Johann von Syberg geheiratet. Für die stattliche Mitgift, die ihr vom Haus Bruch zuteil geworden war, verzichteten die Eheleute kurz vor dem Tode des Herrn zu Bruch im Jahre 1527 vor dem Richter zu Schwerte feierlich auf alle weiteren Erbansprüche. Die Erbin der schon im Jahre 1536 verstorbenen Mutter, Elisabeth von Syberg, gab sich aber damit nicht zufrieden und versuchte nach ihrer Heirat mit Caspar von Werminghausen zum Clausenstein, aus dem reichen Besitz der Herren zu Bruch auf dem Wege der gerichtlichen Klage eine größere Geldsumme als Erbteil der Mutter zu erlangen.

Als ihre Bemühungen bei den märkischen Gerichten ohne Erfolg blieben, wandte sie sich im Jahre 1573 mit ihrer Klage an das kaiserliche Kammergericht in Speyer, wo man die Richtigkeit der Ansprüche anerkannte und in aller Form einen Gerichtstermin festsetzte. Die beiden Vettern der Klägerin, Dietrich von Heyden-Bruch und Metzo von Heyden zu Münster, wurden als schuldig angesehen, das der Kägerin vorenthaltene Erbteil zu zahlen und zu dem Gerichtstermin zu erscheinen.

Diese Ladung, die in einem vorliegenden Aktenband genau beschrieben worden ist, wirft ein helles licht auf die Rechtsverhältnisse in Deutschland vor 400 Jahren. Die vielerorts vorhandene Patrimonialgerichtsbarkeit und der Einfluß des höheren Adels auf die Gerichte überhaupt ließen recht häufig einen mangelnden Respekt vor der Justiz seitens des höheren Standes erkennen. Man achtete des öfteren nicht einmal den kaiserlichen Machtspruch und sah über den eigenen Herrschaftsbereich nur die örtlichen Gerichte als höchste Instanz.

Der Kammergerichtsnotar Arnoldt Beckmann von Münster mußte die Ladung mit zwei Zeugen den geladenen Herren von Heyden überbringen. Da es im Lande nur wenig Menschen gab, die des Schreibens und Lesens erfahren waren, bestand die Vorschrift, den Text des Schreibens laut und deutlich den Betroffenen vorzulesen und die Gerichtssiegel zu erklären. Am 18.4.1573, gegen 4 Uhr nachmittags, kam Beckmann mit den beiden Zeugen Tilman Kronenberg und Luirin Kratzemacher auf Bruch an. Auf sein Begehren, als Bote des kaiserlichen Gerichts in das Haus gelassen zu werden, blieb jedoch das schwere Eichentor verschlossen, und der Diener Rutger Futing rief ihm vom Hofe aus zu, sein Herr sei nicht anwesend.

Der Notar gewahrte diesen aber an der gegenüberliegenden Umzäunung des Hauses hoch zu Roß im Gespräch mit anderen Dienstleuten, und als er sich an ihn wenden wollte, sprengte er davon mit der Bemerkung, er solle wiederkommen, wenn er zu Hause sei. Dazu fühlte sich nun allerdings der kaiserliche Notar nicht verpflichtet und begab sich an das Hoftor zurück, wo er die Ladung dem Diener Futing zeigte, die Gerichtssiegel erklärte und eine Kopie der Schrift unter einen losgelösten Span des Hoftores klemmte. Damit war nach bestehender Vorschrift die formelle Ladung zum Gerichtstermin vollzogen, und Beckmann begab sich mit seinen beiden Zeugen auf den Weg, um in gleicher Weise das Schriftstück an Mentzo von Heyden in Münster zu überbringen.

Der Herr auf Bruch aber beugte sich der kaiserlichen Majestät und nahm die auf diese Weise überbrachte Ladung an. Er überlegte wohl, daß manches für ihn auf dem Spiele stand, wenn er als märkischer Dienstmann das Kammergericht in Speyer beleidigte. Der folgende Prozeß zog sich über mehrere Jahre hin und brachte in den zahlreichen Gerichtsterminen interessante Einblicke in die Familien- und Vermögensverhältnisse der Familie von Heyden auf Haus Bruch.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch