Adelssitze: Reeshaus in Hattingen

Unter den bedeutenden Häusern in der Stadt Hattingen, die dem öffentlichen Interesse dienten, muß Reeshaus an erster Stelle genannt werden. Mit der Frühgeschichte der Stadt ist sein Name eng verbun­den. Im Jahre 1350 verlieh Graf Engelbert diesem Hause, das in der Urkunde auch als Volberts Haus bezeichnet wird, besondere Rechte hinsichtlich der Gerichtsbarkeit, so daß von jetzt an nicht mehr von der Bauerschaft, sondern von der Freiheit Hattneggen in der Grafschaft Mark die Rede ist. Auf dem Sohlplatz des Hauses durfte hinfort niemand weder an Leib noch Gut geschädigt werden, und damit war dieser aus der im Hattinger Raum geltenden bäuerlichen Gerichtsbarkeit herausgelöst worden.

Wahrscheinlich ist aber die Geschichte des Hauses schon vor dem genannten Jahre mit dem öffentlichen Interesse der Bauerschaft eng verknüpft gewesen, lag doch sein Grund und Boden dicht bei der alten Deutzer Kapelle, in deren nächster Nähe neben dem kulturellen auch das wirtschaftliche und politische Leben Alt-Hattingens pulsierte. In ältesten Urkunden wird auch wiederholt der Gadem genannt, der zum Hause gehörte. Ab landesherrliches Lehen wurde Reeshaus an adelige Familien vergeben. Mehrere Eintragungen im Lagerbuch der Stadt Hattingen besagen, daß es im 15. und 16. Jahrhundert der Familie Spoer gehörte, deren Geschlechter jeweils auf Lebenszeit beliehen wurden. Diese verkaufte das Haus mit Einwilligung des Grafen von der Mark im Jahre 1616 an die Stadt Hat­tingen. Im 30jährigen Kriege wurden die Gebäude auf Volberts Platz und dem Gadem weitgehend zerstört, so daß sie endlich abgebrochen werden mußten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sind Rentmeister oder Bürgermeister Hattingens als Lehnsträger für die Stadt wiederholt mit Reesplatz belehnt worden. Reeshaus wird in den vorhandenen Urkunden jedoch nicht mehr erwähnt.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch