Adelssitze: Herren von Hattneggen

Kein sichtbares Zeichen verrät uns heute, wo ehemals der Siedlerplatz der edlen Herren von Hattneggen gelegen hat, der mit dem Namen der Ruhrstadt so eng verknüpft ist. Dürftige Hinweise in einzel­nen Urkunden geben uns nur mangelhaften Aufschluß darüber. Die Herren von Hattneggen übten das Schultheißenamt über die Bauerschaft gleichen Namens aus, lange bevor diese vom Landesherrn Stadt­rechte erhielt, im Jahre 1329 verkauften sie dieses Amt an die Herren auf dem Hause Clyff in der Nähe des Ruhrufers. Conradus Naelmann, Verwahrer auf Clyff, erwähnt in seiner Aufstellung der nach diesem Hause gehörigen Höfe und Häuser innerhalb Hattingens einen verlassenen Siedlerplatz mit fol­genden Worten: "... .tegen dem hylgen hues, der oelde Clyffer hoeff genoempt....." ' Weiter sagt er, daß es ein Stück Land in der Ausdehnung eines Malterscheides sei und recht steinig und unfrucht­bar. Es ist also anzunehmen, daß dieser Platz, den er an anderer Stelle als die rechte "soelstaedt" zum Schultheißenamt bezeichnet, der um diese Zeit längst verlassene und verfallene Siedlerplatz der Herren von Hattneggen gewesen ist. Nach späteren Hinweisen haben wir ihn etwa im Bereich des neuen Rathauses der Stadt zu suchen.

Am Ende des 14. Jahrhunderts verließen die Edelherren ihre angestammte Heimat und zogen auf das Gut Schwartemoelen bei Gelsenkirchen. Ihre Grundherrenrechte im Hattinger Lande waren auf das Haus Clyff übergegangen. In späteren schriftlichen Aufzeichnungen taucht dieser Rechtsvorgang noch in entstellter Form auf, Beweis genug für die überlieferte Auffassung, daß die Herren von Hattneggen in unserer Heimat als mutmaßliche Nachkommen sächsischer Edelinge ältere Rechte besaßen als die Herren auf Clyff. So berichtet der 2. Bürgermeister der Stadt im Jahre 1806 in einem Gutachten über die Rechtsverhältnisse in der Feldmark, daß nach alten Nachrichten der letzte Besitzer des vergesse­nen Clever Hofes, ein gewisser Claas auf dem Nocken, sein Haus abgebrochen und auf dem Grunde des späteren Hauses Clyff aufgebaut habe.

Der Einfluß der genannten Edelherren auf die bereits am Anfang des 14. Jahrhunderts zu einem Dorf mit bedeutendem Handel und Gewerbe angewachsene Bauerschaft Hattneggen an der alten Kapelle auf Deutzer Grund zeigte sich nicht nur in der Eigenschaft als Schultheiß, sondern auch in anderen grundherrlichen Rechten über Höfe und Häuser im späteren Stadtgebiet. So verkaufte Hinrich von Hattneggen im Jahre 1359 aus einem Hause am Markte in der Stadt eine Grundrente an die Kirche zum Seelenheil seiner Familie.

Urkundlich werden einzelne Narnensträger der Herren von Hattneggen seit dem Jahre 1200 erwähnt. Sie erscheinen als Dienstmannen und Ritter im Gefolge regierender Fürsten. Ihr Wappenbild zeigt im gelben Felde, durch einen Querbalken getrennt, im oberen Teil 2 graue, schreitende Vögel mit grü­nen Füßen und im unteren Teil 1 Vogel der gleichen Art. Darpe erwähnt nach dem Westfälischen Urkundenbuch Helyas von H. im Gefolge des Erzbischofs von Köln 1204, 1298 - 1319 Arnold von H., Goswins Sohn. Dieser besaß u. a. die Hälfte des Hofes unter den Eycken. Auch seine Söhne Heinrich und Arno werden genannt. Heinrich lebte 1365 zu Hattneggen. Er gehörte noch im Jahre 1388 zum Bochumer Dienstadel. Neben diesen erwähnt v. Steinen im Jahre 1317 Goswin v. H. Ob diese genann­ten Namensträger ausnahmslos auf dem Stammsitz in Hattingen gewohnt haben, ist höchst unwahrscheinlich, da die Familie auch im Gebiet von Hagen Grundherrenrechte ausübte.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch