Adelssitze: Das Herrenhaus Clyff

Mauerreste des Hauses Cliff im Jahr 2002

Während das Bild des Wohnsitzes der Herren von Hattneggen durch die grauen Schleier der Vergangenheit verdeckt ist, und die Lage des alten Siedlerplatzes nur mutmaßlich festgelegt werden kann, bereitet die Betrachtung des Herrenhauses Clyff weniger Schwierigkeiten. Die letzten spärlichen Reste des in zahlreichen schriftlichen Aufzeichnungen und auch in der mündlichen Überlieferung stets als Haus und niemals als Burg Clyff bezeichneten Adelssitzes auf dem Steilufer der Ruhr sind noch unter Gebüsch und wuchernden Ranken als festgefügtes Mauerwerk zu erkennen, wenn auch der größte Teil des Hofplatzes dem Bahnbau von Dahlhausen nach Blockstelle Henrichshütte in den Jahren 1867/69 zum Opfer fiel. Dazu gibt uns eine überlieferte Ansicht aus dem Jahre 1810 ein ungefähres Bild der ganzen umfangreichen Anlage, und der von dem damaligen Besitzer Wennemar von Heiden im Jahre 1729 errichtete Torbogen zum weitläufigen Garten mit der Inschrift "Mehr Tadlers als Künstlers" stand noch bis vor wenigen Jahren auf dem Hofe der Stellmacherei Beine an der Bahnhofstraße in Hattingen. Trotz allem ist aber die Entstehung der ersten Anlage auf dem Clyff, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem burgähnlichen Bauwerk ausgestaltet wurde, nur undeutlich zu klären. Darpe erwähnte, das Clyff um 1225 als festes Haus von der Abtei Deutz auf dem Ruhrufer erbaut worden sei, um die Einkünfte aus dem Hof Hattneggen zu sichern, weil durch die unsicheren Zeiten ein ruhiger Genuß der Hofesabgaben nicht möglich gewesen wäre. Da der Hof Hattneggen als fränkische Gründung urkundlich erwiesen ist, kann aus der oben erwähnten zeitlichen Entstehung des festen Hauses gefolgert werden, daß der Bewohner als Lehnsmann der Abtei Deutz ein Nachfahre jener fränkischen Vasallen gewesen sein muß, die ehemals bedeutenden Einfluß auch im Lande an der Ruhr gewannen. Jedenfalls entstand die Clyffer Anlage später als der Hofplatz der Herren von Hattneggen weiter oberhalb auf dem Nocken.

Mauerreste des Hauses Cliff im Jahr 2014

Wie schon erwähnt, gingen wesentliche Grundherrenrechte im Hattinger Raum und das Schultheißamt im Laufe der Entwicklung auf die Herren des Hauses Clyff über, da die Edlen von Hattingen als ritterbürtige Dienstmannen im Gefolge regierender Fürsten sich weniger den Aufgaben der bäuerlichen Ver­waltung in der Heimat widmen konnten als die Herren auf Clyff, denen von jeher diese Aufgaben als die wesentlichsten seitens ihrer geistlichen Lehnsherren gestellt worden waren.
Das starke Abhängigkeitsverhältnis der Clyffer Herren scheint auch in der mündlichen Überlieferung, allerdings in unklarer Form, anzuklingen, wenn es in dem bereits erwähnten Bericht des 2. Bürgermeisters der Stadt Hat­tingen heißt, daß Clyff bürgerlichen Ursprungs sei.

Im Laufe seiner langen Geschichte hat Haus Clyff viele Besitzer gehabt. Im 13. Jahrhundert wohnte hier die Familie Weite, die auch die Schultheißenrechte erwarb. Mit dem Landesherrn, dem Grafen von der Mark, pflegten die Herren auf Clyff um diese Zeit ein gutes Verhältnis, ließ doch Graf Engel­bert im Jahre 1386 einen Betrag von 60 Mark durch Johann Weite van Cleve von der Stadt Dortmund erheben. Am Ende des 14. Jahrhunderts kam der Erbsitz an die Herren Overhus, genannt Lebbing. Mit Cord Overhus wurde am 2. 7.1396 von Dietrich von der Mark im Beisein der Ratsherrn von Hattneggen der denkwürdige Vertrag geschlossen, der mit der Befestigung des Kirchdorfes Hattneggen die Stadtwerdung dieses Ortes rechtskräftig werden ließ. Der Familie Overhus folgten von 1497 bis 1513 die von Krickenbeck, genannt Spor. Von diesen kam das Haus an die von Lützenrod, die neben dem Schult­heißenamt auch die Aufgaben des Drosten im märkischen Dienst für das Amt Blankenstein erledigten. Durch seine Vermählung mit der Witwe des Johann Wilhelm von Lützenrod erbte 1640 Arnold von Elverfeld das Gut. Schon bald darauf kaufte Johann Dietrich von Syberg Haus Clyff. Die Witwe seines Sohnes brachte es durch ihre zweite Heirat an Johann von der Reck, von dem es an die Freiherren von Heiden auf dem benachbarten Bruch kam. Nach der Veräußerung des umfangreichen Heidenachen Besitzes zu Anfang des 18. Jahrhunderts kam das alte Deutzer Lehngut an die Familie von Außen. Schon in dieser Zeit, besonders aber unter der Herrschaft des Freiherrn von König zur Zeit Friedrich des Großen, war den gesteigerten Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Besitzer verarmten mehr und mehr, so daß am Ende des 18. Jahrhunderts Stück um Stück der zugehörigen Wiesen- and Ackergründe in öffentlichen Verkaufsterminen auf Walbaum, dem Sitz der Verwalter des Hauses Clyff, verkauft werden mußten. Haus und Hofraum aber wanderten als Kernstück des ehemals stolzen Herrensitzes von einer Hand in die andere. Nach den Besitzern von König, von Berswordt- Wallrabe und von Düngelen kam es mit dem Ankauf durch die Familie Bölling in bürgerlichen Besitz. Im Jahre 1864 kaufte die Hattinger Familie Weygand den Rest des Gutes, die es dann rnit dem Gelände des Ruinenplatzes an die Familie Birschel veräußerte.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch