Adelssitze: Adelssitze und bedeutende Häuser

Die mittelalterliche Geschichte des Hattinger Raumes kristallisiert sich in starkem Maße um einzelne Punkte, die als Herrensitze adeliger Familien oder als Verwaltungszentren städtischer und landesherrlicher Machtbefugnisse nicht nur in politischer, sondern auch in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht vielseitige Bedeutung erlangten. Die meisten Bauwerke dieser Art sind längst verfallen, und oft künden nur noch Flurnamen oder spärliche Hinweise in alten Niederschriften von ihrer Vergangenheit. In einzelnen Fällen kann nicht einmal der Platz genau bestimmt werden, auf dem sie sich ehemals erhoben, denn eine neue Zeit hat ihre Spuren vollkommen verwischt.

Nach der Aufgabe, der diese historischen Bauten zu ihrer Zeit dienten, lassen sich in der Stadt Hattingen und in der näheren Umgebung deutlich drei Gruppen feststellen, die sich nach Art und Umfang sowie hinsichtlich des Materials, aus dem sie aufgeführt wurden, entsprechend ihrer Bedeutung deut­lich unterscheiden. Es sind, nach ihrer zeitlichen Entwicklung geordnet, die Herrensitze des Land­adels, die Burgen der regierenden Dynasten und die öffentlichen Bauten der Stadt Hattingen.

In stattlicher Zahl können die Wohnplätze der adeligen Familien genannt werden, die ehemals im Lande an der Ruhr maßgebliche Bedeutung erlangten. Ihre Geschichte reicht oft bis in die Frühzeit zurück, aus der örtlich keine Urkunden vorliegen, und der überlieferte Name mit dem der angren­zenden Flurstücke läßt häufig Rückschlüsse zu auf die Art der Besiedlung des Gesamtraumes. Andere sind eng mit dem Namen adeliger Vasallen aus der Zeit der fränkischen Überflutung verbunden, und in ihrer Entwicklung kann man deutlich die bevorrechtete Stellung gegenüber den Siedlerplätzen der Edlen des Landes erkennen. Manche dieser im Mittelalter bedeutenden Häuser, besonders in den bäuerlichen Gemeinden außerhalb des Stadtbereiches, sind längst durch neue Wirtschaftsreformen in aus­gedehnte landwirtschaftliche Betriebe umgewandelt worden, wenn sie nicht ganz verschwanden oder einer neuzeitlichen Besiedlung weichen mußten.

Die zweite Gruppe zeigt sich in den festen Burgen der Heimat. Ihre sagenumwobenen Ruinen der er­neuerten Bauwerke bilden oft beliebte Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr. Diese Wohn- und Befestigungsbauten entstanden zwar in der Zeit der Machtkämpfe nach der Jahrtausend wende, als aufstrebende Dynasten weltlicher und geistlicher Prägung die alte Grenzlinie zwischen sächsischem und fränkischem Einflußgebiet an der Ruhr erneut in den Brennpunkt politischen Geschehens rückten, fan­den aber ihre Vorbilder bereits in den germanischen Fliehburgen, die sich auch im Lande an der Ruhr nachweisen lassen. Während die Herrensitze auf dem platten Lande meist Mittelpunkte einer friedlichen wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb des Gaugebietes darstellten, zeigten sich die Burgen als Ausdrucksform politischen Machtstrebens des einflußreichen Hochadels.

Die öffentlichen Bauten der Stadt Hattingen stellten die dritte Gruppe bedeutender Häuser vergangener Jahrhunderte dar. Sie bilden die jüngste Form dieser Bauwerke, die zwar niemals in ihrem Äuße­ren den Umfang der Bauten der beiden ersten Gruppen erreichten, innerhalb des städtischen Gemeinwesens aber als Sinnbild schaffenden Fleißes und selbstbewußten Bürgerstolzes galten.

Entsprechend der Bedeutung für die allgemeine Landesgeschichte wurde naturgemäß den Burgen und ihrem wechselvollen Geschick stets das größte Interesse entgegengebracht. Historiker und Heimatfreunde haben in emsiger Forschungsarbeit die vorhandenen schriftlichen Quellen und die Reste der wenigen, noch erhaltenen Bauwerke erkundet und die Ergebnisse in zahlreichen Darstellungen der interessierten Allgemeinheit zugänglich gemacht. Besonders die Geschichte der ausgedehnten Feste auf dem Isenberg ist von verschiedenen Seiten eingehend beleuchtet worden. Erst unlängst wurde mit der Ver­öffentlichung aus dem fürstlichen Archiv zu Rheda eine wichtige Quelle aufgezeigt, deren eingehen­des Studium vielleicht zu einer neuen, kritischen Betrachtungsweise des Geschickes des lezten Burgherrn auf dem Isenberg fuhren kann. Ebenso wurde die mit der Zerstörung der umfangreichen Feste auf dem Isenberg eng verknüpfte Gründung der märkischen Drostenburg Blankenstein und ihre Bedeutung als wichtige Verwaltungsstelle der Grafen von der Mark im westlichsten Grenzraum dieses Territoriums in mehreren schriftlichen Darstellungen eingehend gewürdigt. Im Rahmen dieses allgemeinen Überblicks über die Landadelssitze und bedeutenden Häuser im Räume Hattingen kann also auf eine Wiederholung bekannter geschichtlicher Erörterungen über die Burgen unserer Heimat verzichtet werden.

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Christian Hartmann: Hattingen-Historisch