Der Landadelssitz der Herren von Hattneggen Das Herrenhaus Clyff
Der Landadelssitz Backwerth Haus Bruch in Welper Der Rittersitz auf dem Homberg
Der Adelssitz der Familie zu Nederhove Reeshaus in Hattingen
Das Weinhaus der Stadt Das alte Rathaus in Hattingen
Die mittelalterliche Geschichte des Hattinger Raumes kristallisiert sich in starkem Maße um einzelne Punkte, die als Herrensitze adeliger Familien oder als Verwaltungszentren städtischer und landesherrlicher Machtbefugnisse nicht nur in politischer, sondern auch in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht vielseitige Bedeutung erlangten. Die meisten Bauwerke dieser Art sind längst verfallen, und oft künden nur noch Flurnamen oder spärliche Hinweise in alten Niederschriften von ihrer Vergangenheit. In einzelnen Fällen kann nicht einmal der Platz genau bestimmt werden, auf dem sie sich ehemals erhoben, denn eine neue Zeit hat ihre Spuren vollkommen verwischt.
Nach der Aufgabe, der diese historischen Bauten zu ihrer Zeit dienten, lassen sich in der Stadt Hattingen und in der näheren Umgebung deutlich drei Gruppen feststellen, die sich nach Art und Umfang sowie hinsichtlich des Materials, aus dem sie aufgeführt wurden, entsprechend ihrer Bedeutung deutlich unterscheiden. Es sind, nach ihrer zeitlichen Entwicklung geordnet, die Herrensitze des Landadels, die Burgen der regierenden Dynasten und die öffentlichen Bauten der Stadt Hattingen.
In stattlicher Zahl können die Wohnplätze der adeligen Familien genannt werden, die ehemals im Lande an der Ruhr maßgebliche Bedeutung erlangten. Ihre Geschichte reicht oft bis in die Frühzeit zurück, aus der örtlich keine Urkunden vorliegen, und der überlieferte Name mit dem der angrenzenden Flurstücke läßt häufig Rückschlüsse zu auf die Art der Besiedlung des Gesamtraumes. Andere sind eng mit dem Namen adeliger Vasallen aus der Zeit der fränkischen Überflutung verbunden, und in ihrer Entwicklung kann man deutlich die bevorrechtete Stellung gegenüber den Siedlerplätzen der Edlen des Landes erkennen. Manche dieser im Mittelalter bedeutenden Häuser, besonders in den bäuerlichen Gemeinden außerhalb des Stadtbereiches, sind längst durch neue Wirtschaftsreformen in ausgedehnte landwirtschaftliche Betriebe umgewandelt worden, wenn sie nicht ganz verschwanden oder einer neuzeitlichen Besiedlung weichen mußten.
Die zweite Gruppe zeigt sich in den festen Burgen der Heimat. Ihre sagenumwobenen Ruinen der erneuerten Bauwerke bilden oft beliebte Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr. Diese Wohn- und Befestigungsbauten entstanden zwar in der Zeit der Machtkämpfe nach der Jahrtausend wende, als aufstrebende Dynasten weltlicher und geistlicher Prägung die alte Grenzlinie zwischen sächsischem und fränkischem Einflußgebiet an der Ruhr erneut in den Brennpunkt politischen Geschehens rückten, fanden aber ihre Vorbilder bereits in den germanischen Fliehburgen, die sich auch im Lande an der Ruhr nachweisen lassen. Während die Herrensitze auf dem platten Lande meist Mittelpunkte einer friedlichen wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb des Gaugebietes darstellten, zeigten sich die Burgen als Ausdrucksform politischen Machtstrebens des einflußreichen Hochadels.
Die öffentlichen Bauten der Stadt Hattingen stellten die dritte Gruppe bedeutender Häuser vergangener Jahrhunderte dar. Sie bilden die jüngste Form dieser Bauwerke, die zwar niemals in ihrem Äußeren den Umfang der Bauten der beiden ersten Gruppen erreichten, innerhalb des städtischen Gemeinwesens aber als Sinnbild schaffenden Fleißes und selbstbewußten Bürgerstolzes galten.
Entsprechend der Bedeutung für die allgemeine Landesgeschichte wurde naturgemäß den Burgen und ihrem wechselvollen Geschick stets das größte Interesse entgegengebracht. Historiker und Heimatfreunde haben in emsiger Forschungsarbeit die vorhandenen schriftlichen Quellen und die Reste der wenigen, noch erhaltenen Bauwerke erkundet und die Ergebnisse in zahlreichen Darstellungen der interessierten Allgemeinheit zugänglich gemacht. Besonders die Geschichte der ausgedehnten Feste auf dem Isenberg ist von verschiedenen Seiten eingehend beleuchtet worden. Erst unlängst wurde mit der Veröffentlichung aus dem fürstlichen Archiv zu Rheda eine wichtige Quelle aufgezeigt, deren eingehendes Studium vielleicht zu einer neuen, kritischen Betrachtungsweise des Geschickes des lezten Burgherrn auf dem Isenberg fuhren kann. Ebenso wurde die mit der Zerstörung der umfangreichen Feste auf dem Isenberg eng verknüpfte Gründung der märkischen Drostenburg Blankenstein und ihre Bedeutung als wichtige Verwaltungsstelle der Grafen von der Mark im westlichsten Grenzraum dieses Territoriums in mehreren schriftlichen Darstellungen eingehend gewürdigt. Im Rahmen dieses allgemeinen Überblicks über die Landadelssitze und bedeutenden Häuser im Räume Hattingen kann also auf eine Wiederholung bekannter geschichtlicher Erörterungen über die Burgen unserer Heimat verzichtet werden.nach oben
Kein sichtbares Zeichen verrät uns heute, wo ehemals der Siedlerplatz der edlen Herren von Hattneggen gelegen hat, der rnit dem Namen der Ruhrstadt so eng verknüpft ist. Dürftige Hinweise in einzelnen Urkunden geben uns nur mangelhaften Aufschluß darüber. Die Herren von Hattneggen übten das Schultheißenamt über die Bauerschaft gleichen Namens aus, lange bevor diese vom Landesherrn Stadtrechte erhielt, im Jahre 1329 verkauften sie dieses Amt an die Herren auf dem Hause Clyff Ln der Nähe des Ruhrufers. Conradus Naelmann, Verwahrer auf Clyff, erwähnt in seiner Aufstellung der nach diesem Hause gehörigen Höfe und Häuser innerhalb Hattingens einen verlassenen Siedlerplatz mit folgenden Worten: "... .tegen dem hylgen hues, der oelde Clyffer hoeff genoempt....." ' Weiter sagt er, daß es ein Stück Land in der Ausdehnung eines Malterscheides sei und recht steinig und unfruchtbar. Es ist also anzunehmen, daß dieser Platz, den er an anderer Stelle als die rechte "soelstaedt" zum Schultheißenamt bezeichnet, der um diese Zeit längst verlassene und verfallene Siedlerplatz der Herren von Hattneggen gewesen ist. Nach späteren Hinweisen haben wir ihn etwa im Bereich des neuen Rathauses der Stadt zu suchen.
Am Ende des 14. Jahrhunderts verließen die Edelherren ihre angestammte Heimat und zogen auf das Gut Schwartemoelen bei Gelsenkirchen. Ihre Grundherrenrechte im Hattinger Lande waren auf das Haus Clyff übergegangen. In späteren schriftlichen Aufzeichnungen taucht dieser Rechtsvorgang noch in entstellter Form auf, Beweis genug für die überlieferte Auffassung, daß die Herren von Hattneggen in unserer Heimat als mutmaßliche Nachkommen sächsischer Edelinge ältere Rechte besaßen als die Herren auf Clyff. So berichtet der 2. Bürgermeister der Stadt im Jahre 1806 in einem Gutachten über die Rechtsverhältnisse in der Feldmark, daß nach alten Nachrichten der letzte Besitzer des vergessenen Clever Hofes, ein gewisser Claas auf dem Nocken, sein Haus abgebrochen und auf dem Grunde des späteren Hauses Clyff aufgebaut habe. Der Einfluß der genannten Edelherren auf die bereits am
Anfang des 14. Jahrhunderts zu einem Dorf mit bedeutendem Handel und Gewerbe angewachsene Bauerschaft Hattneggen an der alten Kapelle auf Deutzer Grund zeigte sich nicht nur in der Eigenschaft als Schultheiß, sondern auch in anderen grundherrlichen Rechten über Höfe und Häuser im späteren Stadtgebiet. So verkaufte Hinrich von Hattneggen im Jahre 1359 aus einem Hause am Markte in der Stadt eine Grundrente an die Kirche zum Seelenheil seiner Familie.
Urkundlich werden einzelne Narnensträger der Herren von Hattneggen seit dem Jahre 1200 erwähnt. Sie erscheinen als Dienstmannen und Ritter im Gefolge regierender Fürsten. Ihr Wappenbild zeigt im gelben Felde, durch einen Querbalken getrennt, im oberen Teil 2 graue, schreitende Vögel mit grünen Füßen und im unteren Teil 1 Vogel der gleichen Art. Darpe erwähnt nach dem Westfälischen Urkundenbuch Helyas von H. im Gefolge des Erzbischofs von Köln 1204, 1298 - 1319 Arnold von H., Goswins Sohn. Dieser besaß u. a. die Hälfte des Hofes unter den Eycken. Auch seine Söhne Heinrich und ArnoM werden genannt. Heinrich lebte 1365 zu Hattneggen. Er gehörte noch im Jahre 1388 zum Bochumer Dienstadel. Neben diesen erwähnt v. Steinen im Jahre 1317 Goswin v. H. Ob diese genannten Namensträger ausnahmslos auf dem Stammsitz in Hattingen gewohnt haben, ist höchst unwahrscheinlich, da die Familie auch im Gebiet von Hagen Grundherrenrechte ausübte.nach oben
Während das Bild des Wohnsitzes der Herren von Hattneggen durch die grauen Schleier der Vergangenheit verdeckt ist, und die Lage des alten Siedlerplatzes nur mutmaßlich festgelegt werden kann, bereitet die Betrachtung des Herrenhauses Clyff weniger Schwierigkeiten. Die letzten spärlichen Reste des in zahlreichen schriftlichen Aufzeichnungen und auch in der mündlichen Überlieferung stets als Haus und niemals als Burg Clyff bezeichneten Adelssitzes auf dem Steilufer der Ruhr sind noch unter Gebüsch und wuchernden Ranken als festgefügtes Mauerwerk zu erkennen, wenn auch der größte Teil des Hofplatzes dem Bahnbau von Dahlhausen nach Blockstelle Henrichshütte in den Jahren 1867/69 zum Opfer fiel. Dazu gibt uns eine überlieferte Ansicht aus dem Jahre 1810 ein ungefähres Bild der ganzen umfangreichen Anlage, und der von dem damaligen Besitzer Wennemar von Heiden im Jahre 1729 errichtete Torbogen zum weitläufigen Garten mit der Inschrift "Mehr Tadlers als Künstlers" stand noch bis vor wenigen Jahren auf dem Hofe der Stellmacherei Beine an der Bahnhofstraße in Hattingen. Trotz allem ist aber die Entstehung der ersten Anlage auf dem Clyff, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem burgähnlichen Bauwerk ausgestaltet wurde, nur undeutlich zu klären. Darpe erwähnte, das Clyff um 1225 als festes Haus von der Abtei Deutz auf dem Ruhrufer erbaut worden sei, um die Einkünfte aus dem Hof Hattneggen zu sichern, weil durch die unsicheren Zeiten ein ruhiger Genuß der Hofesabgaben nicht möglich gewesen wäre. Da der Hof Hattneggen als fränkische Gründung urkundlich erwiesen ist, kann aus der oben erwähnten zeitlichen Entstehung des festen Hauses gefolgert werden, daß der Bewohner als Lehnsmann der Abtei Deutz ein Nachfahre jener fränkischen Vasallen gewesen sein muß, die ehemals bedeutenden Einfluß auch im Lande an der Ruhr gewannen. Jedenfalls entstand die Clyffer Anlage später als der Hofplatz der Herren von Hattneggen weiter oberhalb auf dem Nocken.
Wie schon erwähnt, gingen wesentliche Grundherrenrechte im Hattinger Raum und das Schultheißamt im Laufe der Entwicklung auf die Herren des Hauses Clyff über, da die Edlen von Hattingen als ritterbürtige Dienstmannen im Gefolge regierender Fürsten sich weniger den Aufgaben der bäuerlichen Verwaltung in der Heimat widmen konnten als die Herren auf Clyff, denen von jeher diese Aufgaben als die wesentlichsten seitens ihrer geistlichen Lehnsherren gestellt worden waren. Das starke Abhängigkeitsverhältnis der Clyffer Herren scheint auch in der mündlichen Überlieferung, allerdings in unklarer Form, anzuklingen, wenn es in dem bereits erwähnten Bericht des 2. Bürgermeisters der Stadt Hattingen heißt, daß Clyff bürgerlichen Ursprungs sei.
Im Laufe seiner langen Geschichte hat Haus Clyff viele Besitzer gehabt. Im 13. Jahrhundert wohnte hier die Familie Weite, die auch die Schultheißenrechte erwarb. Mit dem Landesherrn, dem Grafen von der Mark, pflegten die Herren auf Clyff um diese Zeit ein gutes Verhältnis, ließ doch Graf Engelbert im Jahre 1386 einen Betrag von 60 Mark durch Johann Weite vanrne Cleve von der Stadt Dortmund erheben. Am Ende des 14. Jahrhunderts kam der Erbsitz an die Herren Overhus, genannt Lebbing. Mit Cord Overhus wurde am 2. 7.1396 von Dietrich von der Mark im Beisein der Ratsherrn von Hattneggen der denkwürdige Vertrag geschlossen, der mit der Befestigung des Kirchdorfes Hattneggen die Stadtwer-dung dieses Ortes rechtskräftig werden ließ. Der Familie Overhus folgten von 1497 bis 1513 die von Krickenbeck, genannt Spor. Von diesen kam das Haus an die von Lützenrod, die neben dem Schultheißenamt auch die Aufgaben des Drosten im märkischen Dienst für das Amt Blankenstein erledigten. Durch seine Vermählung mit der Witwe des Johann Wilhelm von Lützenrod erbte 1640 Arnold von Elverfeld das Gut. Schon bald darauf kaufte Johann Dietrich von Syberg Haus Clyff. Die Witwe seines Sohnes brachte es durch ihre zweite Heirat an Johann von der Reck, von dem es an die Freiherren von Heiden auf dem benachbarten Bruch kam. Nach der Veräußerung des umfangreichen Heidenachen Besitzes zu Anfang des 18. Jahrhunderts kam das alte Deutzer Lehngut an die Familie von Außen. Schon in dieser Zeit, besonders aber unter der Herrschaft des Freiherrn von König zur Zeit Friedrich des Großen, war den gesteigerten Anforderungen nicht mehr gewachsen. Die Besitzer verarmten mehr und mehr, so daß am Ende des 18. Jahrhunderts Stück um Stück der zugehörigen Wiesen- and Ackergründe in öffentlichen Verkaufsterminen auf Walbaum, dem Sitz der Verwalter des Hauses Clyff, verkauft werden mußten. Haus und Hofraum aber wanderten als Kernstück des ehemals stolzen Herrensitzes von einer Hand in die andere. Nach den Besitzern von König, von Berswordt- Wallrabe und von Düngelen kam es mit dem Ankauf durch die Familie Bölling in bürgerlichen Besitz. Im Jahre 1864 kaufte die Hattinger Familie Weygand deaRest des Gutes, die es dann rnit dem Gelände des Ruinenplatzes an die Familie Birschel veräußerte.nach oben
In den ältesten Flurbezeichnungen der Hattinger Stadtfeldmark taucht hin und wieder der Name "Backwerths Feld" oder "Im Backwerth" auf. Damit sind einige der spärlichen urkundlichen Erwähnungen eines der ältesten Landadelssitze im Hattinger Raum gegeben. Auch dieser Platz kann heute nicht mehr eindeutig festgelegt werden. Die Anlage des Bahnhofs Hattingen und der angrenzenden Industriebauten hat seine letzten Sputen im Boden der Heimat verwischt. Auch in der mündlichen Überlieferung ist die Flurbezeichnung bereits verschwunden. Eine Andeutung auf die etwaige Lage des alten Siedlerplatzes finden wir in einer Akte des Stadtarchivs. Da wird in einem Bericht über die Stadtfeldmark der Steinkamp neben dem Backwerth als zu diesem gehörig genannt. Damit wäre die Sohlstelle des Hauses auf dem jetzigen Bahnhofsgelände in der Nähe der Ruhr zu suchen.
Lehnsherr des Hauses war im 14. Jahrhundert der Graf von Bentheim. Nachweislich saß in den Jahren 1361 - 1418 das Geschlecht derer von Vitink darauf. Märker erwähnt in seiner Chronik Heinrich Vitink und beschreibt auch sein Wappen. Es zeigte im weißen Felde zwei schräge, schwarze Balken mit drei gelben Schellen, dem Wahrzeichen derer von Vitinkhoff, genannt Schele. Die adeligen Besitzer waren auch in den Bauerschaften begütert, z. B. gehörte ihnen der Hof zu Bredenscheid. Die Herren im Backwerth sandten auch als Angehörige des Deutschen Ordens wiederholt streitbare Männer in den Osten, wo sie in den Annalen des Deutschen Ordens genannt werden. Am Anfang des 15. Jahrhunderts erwarben die Herren von Galen das adelige Haus, die das zugehörige Land zerstückelten und an einzelne Grundbesitzer verkauften. So kamen Teile an das Haus Clyff, andere an das Ratsherren-und Richtergeschlecht von Engenhusen in Hattingen. Das Haus mit den zugehörigen Gebäuden aber wurde nicht mehr benutzt und sank rasch in Tümmer. Eine neue Zeit hat auch die letzten Spuren verwischt.nach oben
Im Mündungsgebiet des alten Welper Baches entstand auf der untersten Ruhrterrasse in geschichtlich nicht mehr erfaßbaren Zeiten der Herrensitz derer von Broek oder Bruch. Seine Entwicklung kann vom frühen Mittelalter an bis in unsere Zeit verfolgt werden. Den Namen "im Broik" erhielt er nach der Sumpf- und Bruchlandschaft, auf deren feuchtem Boden die erste Sohlstelle des Hauses errichtet wurde. Auch bei den Erweiterungsbauten im Laufe der Zeit hatten die Bauherren stets mit den Tücken des wasserreichen Geländes zu kämpfen, und noch die Mauern des massigen Herrenhauses, dessen letzte Reste bis heute dem Zerfall getrotzt haben, mußten durch Eichenroste im Boden verankert werden. Als der brandenburgisch-preußische Staat in unsere Heimat Einfluß gewann, kamen die damaligen Besitzer des Hauses zu hohen Ehren und konnten Haus und Wirtschaftsgebäude mit einer Gräfte umgeben, in die sie das Wasser des Baches hineinleiteten. So ähnelte der Rittersitz damals ganz den in der Ebene des Münsterlandes weit verbreiteten Wasserburgen, und diese Eigenart der Anlage war noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich zu erkennen.
Nach der ersten urkundlichen Erwähnung wohnten noch vor 700 Jahren auf Bruch Namensträger des Geschlechtes, das sich nach dem Siedlerplatz auf der Talsohle des Welp-Baches nannte. 1217 wird Wilrave von Broik als Gefolgsmann des Grafen von Arnsberg erwähnt. In den folgenden Jahren lesen wir die Namen Burchard, Hermann und Johann von Broik, und im Jahre 1279 war Thieterich von Broike Dienstmann des Grafen von Isenberg-Limburg. Im 14. Jahrhundert gehörte das Haus den Herren von Aldendorpe, und von diesen kam es an das Geschlecht von Vitinkhoff. Katharina von Viünkhoff heiratete den Blankensteiner Burgmann Wennemar Dueker, der Haus Bruch als märkisches Lehnsgut empfing. Nach seinem Tode brachte seine Witwe in zweiter Ehe das Erbe an Wennemar von Heiden, unter dessen Nachkommen Bruch seine Glanzzeit erlebte. Mit Geschick, Fleiß und Glück wußten die Herren von Heiden im Dienste des Landesherrn ihren Rittersitz bei Hattingen beträchtlich zu erweitern und ihn zu dem bedeutendsten Landadelssitz im Hattinger Raum auszugestalten. Die Verleihung der Gerichtsbarkeit Über die umliegenden Bauerschaften brachte ihnen bedeutende Einnahmen, und die Würde der Freiherren entsprach durchaus dem Ansehen, das sie in der märkischen Ritterschaft genossen. Als kurfürstliche Kammerherren und hohe Offiziere paßten sie ihr Stammhaus ganz dem damals üblichen Leben an den Fürstenhöfen an. Sie bauten es beträchtlich aus und umgaben es mit einem wohlgepflegten Park, der sich weit in die Ruhraue erstreckte.
Am Anfang des 18. Jahrhunderts begann der Niedergang des Geschlechtes von Heiden. Die weitläufigsten Besitzungen wurden verkauft, und auch Hans Bruch blieb nicht verschont. Im Jahre 1736 kam das Gut an den Grafen von Byland-Halt. Von diesem erwarb es der Herr von Raesfeld, der es wiederum an den Freiherrn von Düngelen zu Dahlhausen veräußerte. Alle diese vorübergehenden Besitzer wohnten nicht mehr im alten Schloß auf Brucher Grund, und die Gebäude verfielen immer mehr. Einen kleinen Aufschwung erlebte der damals bedeutende Adelssitz noch einmal, als ihn der Elberfelder Kaufmann Sombart im Jahre 1789 erwarb. Damit wurde Bruch wieder Wohnsitz einer angesehenen Familie, wenn sie auch bürgerlichen Kreisen angehörte. Die umfangreiche Landwirtschaft, die mit dem Gute verbunden war, bildete immer noch eine beträchtliche Einnahmequelle. Carl August Sombart verkaufte das Erbe seines Vaters im Jahre 1850 an den Grafen von der Recke- Volmarstein, der es bald darauf an den Grafen zu Stolberg-Wernigerode veräußerte. Dieser ließ auf den Gründen des Gutes in der Ruhraue ein Eisen- und Hüttenwerk errichten. Der Ausdehnung dieses industriellen Betriebes fielen nicht nur die Wiesen und Ackerbreiten im weiten Ruhrbogen zum Opfer, sondern auch alle Anlagen des alten Adelssitzes, die ihm den Charakter eines befestigten Schlosses verliehen hatten. Park, Gräfte und Teile des Wirtschaftsgebäudes waren bis zur Jahrhundertwende eingeebnet und niedergerissen worden, und in den folgenden Jahrzehnten verschwanden auch die restlichen Ställe, Schuppen und Scheunen mit dem weitläufigen Schloßplatz. Selbst die Kapelle des Hauses blieb nicht verschont. Nur der Türstein über dem Kapelleneingang aus dem Jahre 1652, dessen Inschrift Zeugnis ablegt sowohl von der Machtfülle der Freiherren von Heiden als auch von ihrer religiösen Einstellung, blieb erhalten und wurde an der Wand des Herrenhauses aufgestellt. Aber auch das letzte Zeugnis verschwundenen Glanzes einer versunkenen Zeit wird bald neuen Planungen weichen müssen.nach oben
Wo der Rittersitz der Herren von Homberg bei Hattingen sich ehemals ausdehnte, ist heute nicht mehr festzustellen. Sein Geschlecht ist wahrscheinlich auf einen Zweig der Familie Vitinkhoff im benachbarten Altendorf zurückzuführen. Um 1300 wird hier Hermann von Aldendorpe genannt und um 1380 ein Zweig der Altendorfer Linie zu Horst. Irn Jahre 1502 starb Johann von Viünkhoff, genannt Schele, als Herr zu Homberg bei Hattingen. Dann zerfiel wahrscheinlich der alte Adelssitz, und mit dem Grundbesitz wurden bürgerliche Familien belehnt.nach oben
Unweit des Rittersitzes auf dem Homberg lag im heutigen Nierenhof der Adelssitz der Familie von Nederhove. Bis zum Aussterben des Geschlechtes im 15. Jahrhundert waren die Herren von Nederhove isenbergisch-limburgische Dienstmannen. Ihr Wohnsitz lag am südwestlichen Ausläufer des Isenberges. Im Jahre 1172 war Hellwich v. N. Ministerial der Kirche zu Köln. Später taucht der Name Slugh auf dem Nederhove auf. Im Jahre 1360 wurde Gudeke Slugh von Nederhove vom Grafen Dietrich belehnt. Träger des gleichen Namens hatten auch im 15. Jahrhundert das Richteramt in Hattingen inne. Im Jahre 1757 kaufte der Kaufmann Johann Peter Bachmann aus Langenberg den Landbesitz, der zu dem Gut gehörte, und errichtete darauf an der Hauptstraße umfangreiche Wohn- und Wirtschaftsgebäude.nach oben
Unter den bedeutenden Häusern in der Stadt Hattingen, die dem öffentlichen Interesse dienten, muß Reeshaus an erster Stelle genannt werden. Mit der Frühgeschichte der Stadt ist sein Name eng verbunden. Im Jahre 1350 verlieh Graf Engelbert diesem Hause, das in der Urkunde auch als Volberts Haus bezeichnet wird, besondere Rechte hinsichtlich der Gerichtsbarkeit, so daß von jetzt an nicht mehr von der Bauerschaft, sondern von der Freiheit Hattneggen in der Grafschaft Mark die Rede ist. Auf dem Sohlplatz des Hauses durfte hinfort niemand weder an Leib noch Gut geschädigt werden, und damit war dieser aus der im Hattinger Raum geltenden bäuerlichen Gerichtsbarkeit herausgelöst worden. Wahrscheinlich ist aber die Geschichte des Hauses schon vor dem genannten Jahre mit dem öffentlichen Interesse der Bauerschaft eng verknüpft gewesen, lag doch sein Grund und Boden dicht bei der alten Deutzer Kapelle, in deren nächster Nähe neben dem kulturellen auch das wirtschaftliche und politische Leben AlrHattingens pulsierte. In ältesten Urkunden wird auch wiederholt der Gadem genannt, der zum Hause gehörte. Ab landesherrliches Lehen wurde Reeshaus an adelige Familien vergeben. Mehrere Eintragungen im Lagerbuch der Stadt Hattingen besagen, daß es im 15. und 16. Jahrhundert der Familie Spoer gehörte, deren Geschlechter jeweils auf Lebenszeit beliehen wurden. Diese verkaufte das Haus mit Einwilligung des Grafen von der Mark im Jahre 1616 an die Stadt Hattingen. Im 30jährigen Kriege wurden die Gebäude auf Volberts Platz und dem Gadem weitgehend zerstört, so daß sie endlich abgebrochen werden mußten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts sind Rentmeister oder Bürgermeister Hattingens als Lehnsträer für die Stadt wiederholt mit Reesplatz belehnt worden. Reeshaus wird in den vorhandenen Urkunden jedoch nicht mehr erwähnt.nach oben
Ein wichtiger Platz in der Stadt war von jeher die erhöhte Stelle am Markt, von der aus Ober- und Untermarkt übersehen werden konnten und auf dem bei der Besiedlung des städtischen Grundes die Krämer ein. eigenes Wohnviertel errichteten. Schon früh wird an dieser Stelle das Weinhaus genannt, lange bevor Hattingen das Recht des Weinzapfs im Jahre 1406 erhielt. Die Bewohner dieses Hauses nahmen stets im Rat der Stadt eine besondere Stellung ein und stellten wiederholt deti Bürgermeister. Auch die Richterfamilie von Engenhusen war zeitweilig Besitzer des Platzes. Auf der Sohlstelle des Hauses entstand am Anfang des 18. Jahrhunderts für die reformierte Gemeinde Hattingens aus Sandsteinen, die man aus Steinbrüchen der Umgebung herangeholt hatte, die St. Johannis-Kirche, die im Jahre 1728 ihrer Bestimmung übergeben wurde. Nach der Gründung der uniierten Landeskirche im Jahre 1817 diente sie der evangelischen Gemeinde zum Frühgottesdienst und zu besonderen Feiern. In den Märztagen des Jahres 1945 wurde sie mit den Gebäuden des alten Stadtteils Krämersdorf zerstört. Nur der Turm blieb erhalten.nach oben
Symbole Alt-Hattingens, oftmals in Prospekten für den Fremdenverkehr und in zahlreichen Abbildungen dargestellt, sind der schiefe Turm des ehrwürdigen Gotteshauses von St. Georg und die Giebelansicht des alten Rathauses mit dem charakteristischen Durchgang. Noch heute gilt das mittelalterliche Haus, in dem mehrere Jahrhunderte hindurch in guten und bösen Tagen über die Geschicke der Stadt beraten wurde, als wahres Schmuckstück Hattingens wie in den Zeiten zuvor. Nach der gründlichen Renovierung zur Beseitigung der Schäden des letzten Bombenkrieges wird es mit seinem schmucken Äußeren und mit seiner musealen Inneneinrichtung als gute Stube der Stadt gelten können. Das Haus hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die in späteren Veröffentlichungen eingehend dargestellt werden soll. Die Jahreszahl 1576 im Querbalken des schlichten Renaissancegiebels meldet nur einen markanten Einschnitt seiner Entwicklung. Damals wurde das Haus in der heutigen Gestalt aufgebaut, allerdings wohl mit einem stilechten, hoch aufragenden Spitzgiebel. Aber schon lange vorher stand der steinerne Unterbau. Am 21.4.1420 verlieh Adolf, Herzog zu Cleve und Graf von der Mark, der Stadt das Privilegium der Markthalle. Nun durften die Hattinger Bürger, wie es in anderen Städten allgemein üblich war, eine überdachte Halle errichten, in der vor allem die leicht verderblichen Fleischwaren an den Markttagen feilgeboten wurden. Ob diese Halle von Anfang an auch ein Obergeschoß aufwies, in dem die Ratstage abgehalten werden konnten, ist urkundlich nicht nachzuweisen, jedoch nach der allgemeinen üblichen Bauweise dieser Hallen durchaus wahrscheinlich. Zudem wird bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts von Ratssitzungen "op der hallen" berichtet, und die häufig urkundlich gebrauchte Bezeichnung "newes raethues" läßt den Schluß zu, daß bereits vor 1576 ein altes Rathaus in der Stadt bestand.
In dem für die kleine Stadt Hattneggen damals recht ansehnlichen Gebäude wurden nicht nur die gemeindlichen Verwaltungsgeschäfte abgewickelt, hier fanden zudem die Jahrestagungen der Gilden statt wie auch die Hochzeiten angesehener Bürger. Dazu wurde in seinen Räumen wiederholt Gericht abgehalten, und im vergangenen Jahrhundert stellte man das ganze Gebäude viele Jahre ausschließlich der Justizbehörde zur Verfügung. Als die Bürger mit ihren Wehrformationen noch selbst für die Verteidigung ihres städtischen Gemeindewesens sorgen mußten, beherbergte das alte Rathaus auch die Waffenkammer der Stadt. Wenn Alarm geschlagen wurde, dann hallte das gebäude wider vom Dröhnen der Trommeln und dem schweren Tritt der Rotten.
Dieses schöne Wahrzeichen mittelalterlichen Bürgerstolzes bedarf in der Zukunft besondere Pflege, nicht nur der verantwortlichen Behörden und der interessierten Heimatfreunde, sondern auch eines jeder Bürgers der Stadt. nach oben